Archäologie

In einem Biergarten in New York

Überreste des deutschen Lokals „Atlantic Garden“ ausgegraben

Der südliche Teil der Straße Bowery in New York liegt heute mitten in Chinatown. Nichts deutet mehr darauf hin, dass sich dort einst eine der berühmtesten deutschen Sehenswürdigkeiten außerhalb Deutschlands befand: Der „Atlantic Garden“ war ein großer Biergarten mit deutschem Essen, Wein, Bier und deutscher Gemütlichkeit. „Man könnte sagen, er war für das 19. Jahrhundert eine richtige Touristenattraktion“, sagt die Archäologin Alyssa Loorya. 1911 wurde der Biergarten abgerissen. Rund ein Jahrhundert lang lagen seine Überbleibsel vergessen zwei Meter tief im New Yorker Boden – bis jetzt.

Ein Hotel mit 22 Stockwerken soll auf dem Grundstück entstehen. Während der Bauarbeiten dürfen dort erstmals Archäologen in der Erde buddeln. Loorya und ihre Kollegen entdeckten Hunderte Stücke: kleine grüne Likörflaschen, Scherben von Tellern, Tassen, Mineralwasserflaschen und Krügen sowie einige bräunliche Flaschen, auf deren Siegel gut lesbar „Bürgerspital Würzburg“ steht. Der deutsche Einwanderer William Kramer hatte den „Atlantic Garden“ 1858 eröffnet.

Aber rund ein halbes Jahrhundert nach seiner Eröffnung wurde der Biergarten wieder abgerissen. New York wuchs und wuchs und das Grundstück – inzwischen in guter Lage – wurde für ein Theater und ein Bürogebäude gebraucht. Im neuen Hotel soll der „Atlantic Garden“ wieder eine prominente Rolle spielen. Der Bauherr möchte die gefundenen Stücke in das Hotel integrieren und vielleicht eine kleine Ausstellung organisieren.