Blackout-Risiko

Verkehrsbetriebe: Stromausfälle gefährden Berliner Nahverkehr

Versorgung mit alternativ erzeugter Energie lässt sich nicht zuverlässig kontrollieren

Das Risiko eines flächendeckenden Stromausfalls in Berlin ist gestiegen. „Gab es das früher nur einmal alle drei Jahre zu angespannten Situationen, passiert dies heute 20-mal im Jahr“, sagt Thomas Schäfer, Leiter Technik bei der Berliner Stromnetz GmbH. Betroffen wäre davon vor allem der Berliner Nahverkehr. Er würde praktisch sofort zum Erliegen kommen. Ohne Strom bleiben die Bahnen einfach stehen und Busse im Verkehrschaos stecken.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nehmen das Thema ernst. „Wir haben zwar noch keinen großen Blackout erlebt, aber doch schon bedrohliche Netzsituationen, aus denen so etwas hätte entstehen können“, sagt Ralf Baumann, Direktor Infrastruktur bei der BVG. Kurze Ausfälle, wie sie immer wieder vorkommen, kann das landeseigene Unternehmen zwar überbrücken. Ein mehrtägiger Ausfall wäre dagegen eine große Herausforderung. „Das Risiko ist gestiegen. Die Verkehrsbetriebe müssen vorbereitet sein, bevor ein solches Ereignis eintritt“ sagt Baumann. Den Fall der Fälle hat die BVG in einem entsprechenden Szenario bereits trainiert – und die nötigen Vorkehrungen getroffen.

Noch hat sich die Versorgung in Berlin aber als zuverlässig erwiesen. Etwa zwölf Minuten war jeder Berliner im vergangenen Jahr ohne Strom. Ein guter Wert im bundesweiten Vergleich. Bei einem Ausfall des Höchstspannungsnetzes könnte Berlin eine „elektrische Insel“ aufbauen, also eine Teilversorgung.

Bei der Berliner S-Bahn wird das Risiko eines Blackouts als sehr gering angesehen. „Mit diesem Szenario beschäftigen wir uns nicht“, sagt ein Sprecher. Tatsächlich sorgte in der Vergangenheit nur ein Stromausfall für eingeschränkten Verkehr: Bauarbeiten auf dem Gelände des Stellwerks Halensee hatten einen Kurzschluss verursacht. Die S-Bahn verfügt nicht über Notstromaggregate.

Die Versorgung in Berlin könnte zum Erliegen kommen, wenn zu viel Strom durch das Höchstspannungsnetz der 50Hertz Transmission GmbH fließt. Das Unternehmen betreibt die Übertragungsleitungen in den neuen Bundesländern, Hamburg und Berlin. In dieser Region ist im Zuge der Energiewende der Anteil der erneuerbaren Energien deutlich gestiegen. Anders als bei Kohle- oder Atomkraft lässt sich bei dieser Form der Gewinnung die erzeugte Menge Strom nicht kontrollieren. Wird zum Beispiel bei windigem Wetter mehr Strom erzeugt als verbraucht, kann es zu kritischen Situationen kommen. „Sobald es bei 50Hertz zu einem Leistungsungleichgewicht kommt, würde auch in Berlin Blackout-Gefahr bestehen“, sagt Schäfer. Denn die Hauptstadt ist auf die Zufuhr aus dem Umland angewiesen. Von den 2500 Megawatt, die Berlin in Spitzenmonaten benötigt, können nur 1500 durch eigene Kraftwerke gedeckt werden.

Doch es gibt noch weitere Faktoren, die das Risiko vergrößert haben. „Im Rahmen der Ökonomisierung der Stromnetze sind die Sicherheitsmargen niedriger geworden. Teilweise sind die Netze zu 110 Prozent ausgelastet“, sagt Wolfram Geier vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Die Technik sei anfälliger für Cyberangriffe durch Hacker, die Gefahr durch Umwelteinflüsse größer geworden.