Jugendschutz

Berlin verschärft Alkoholkontrollen

Minderjährige kommen zu leicht an Hochprozentiges. Bezirke setzen mehr jugendliche Tester ein

Trinken bis zum Umfallen: Der übermäßige Alkoholkonsum von Jugendlichen ist nach wie vor ein Problem. Zwar sind Alkoholvergiftungen bei den unter 15-Jährigen in Berlin zurückgegangen, bei den 15- bis 19-Jährigen jedoch wieder angestiegen. Die Bezirke wollen deshalb künftig in Zusammenarbeit mit der Polizei verstärkt Jugendliche als Testkäufer für hochprozentigen Alkohol losschicken. Mit ihrer Hilfe sollen Händler ausfindig gemacht werden, die Alkohol ohne Alterskontrolle verkaufen.

Kerstin Jüngling, Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention in Berlin, freut sich über die Initiative: „Wir müssen weg von der moralischen Bewertung. Lange Zeit gab es Vorbehalte gegen jugendliche Testkäufer. Da hat erfreulicherweise ein Umdenken stattgefunden. Die jugendlichen Testkäufer werden dazu beitragen, auch im Berliner Einzelhandel eine Kultur der Verantwortung für junge Menschen zu etablieren.“

Tempelhof-Schöneberg will im Mai mit den Testkäufen beginnen. Wie Stadtrat Oliver Schworck (SPD) sagte, müsse sich die Kontrolle allerdings auf einige Schwerpunkte beschränken. Beginnen würde der Bezirk in Schöneberg. Dort hätten betroffene Eltern ihm mehrfach berichtet, dass ihre Kinder hochprozentigen Alkohol kaufen konnten.

Im Bezirk Mitte hat ein Testkäufer vor Kurzem innerhalb von zwei Stunden in fünf von sechs Geschäften rund um den Alexanderplatz – Discounter, Supermärkte, Kioske – hochprozentigen Alkohol kaufen können. „In nur drei Fällen wurde nach dem Ausweis gefragt. Zweimal wurde trotzdem der Alkohol verkauft. Der Ausweis wurde also nicht ausreichend geprüft“, berichtete Stadtrat Carsten Spallek (CDU). Der Testkäufer sei ein Mitarbeiter eines Bezirksamtes gewesen. Begleitet worden sei der 17-Jährige verdeckt von drei Ordnungsamtsmitarbeitern und einem Mitarbeiter der Senatsinnenverwaltung. Gegen die fünf Geschäfte, die den Jugendschutz missachteten, leitete die Behörde Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. Bei mehrfachen Verstößen bestehe die Möglichkeit, die gewerberechtliche Zuverlässigkeit und die Erlaubnis zur Betriebsführung zu überprüfen.

Spallek geht davon aus, dass sich die großen Einzelhandelsketten eher an die Vorschriften zum Jugendschutz halten als die kleinen Läden. Das sieht Schworck anders. Es gebe „schwarze Schafe“ in allen Bereichen. Wie auch Mitte hat Tempelhof-Schöneberg nicht sehr viele Mitarbeiter unter 18 Jahren, die als Testkäufer zur Verfügung stehen. Deshalb springen Auszubildende im Polizeidienst als Testkäufer ein.

Gestartet wurden diese Käufe mit Jugendlichen vor einem Jahr in Marzahn-Hellersdorf. Dort wurden 2012 im Berlinvergleich die meisten Alkoholvergiftungen bei Zehn- bis 14-Jährigen gezählt. Bei den älteren Jugendlichen entstammten die meisten Behandlungsfälle aus Steglitz-Zehlendorf und Spandau. „Mit Diskotheken und Kneipen gibt es inzwischen kein großes Problem mehr. Aber viele Jugendliche kaufen Alkohol im Geschäft und trinken ihn in den Parks oder auf der Straße“, sagte Stadtrat Christian Gräff (CDU). Es sei immer noch so, dass Jugendliche in den Geschäften zu leicht Alkoholika kaufen könnten. Noch habe der Bezirk keine Strafen ausgesprochen, sondern in den Geschäften nur aufgeklärt. Würden Läden bei den Kontrollen aber zum zweiten Mal Alkohol an Jugendliche verkaufen, würden Bußgelder fällig – beim ersten Mal sind das bis zu 1000 Euro.