Wohnungssuche

Liebe Mona, ...

Sie, 31, sucht eine WG. Ihr dreistes Inserat ist der Hit im Internet. Eine Antwort

... du suchst eine Wohngemeinschaft in Kreuzberg. Weltoffen, tolerant und alternativen Lebensmodellen gegenüber aufgeschlossen. Deine Mitbewohnerinnen dürfen zwischen 25 und 40 Jahre alt sein. Du hast Glück, all das bin ich! Du schreibst, dass du nichts von Machtspielen und Aggressionen hältst, wer mag die schon. Wir, in der WG, sollen uns gegen „Terror, Krieg, Rassenwahn, Faschismus und Chauvinismus und gegen US-Kulturimperialismus“ einsetzen. Ja, ja, sicher, auf jeden Fall! Du möchtest ein Zimmer für fünf Euro im Monat, 20 Quadratmeter, geht klar. Du schreibst, dass du „andere Haltungen“ akzeptierst, gern im Haushalt arbeitest und Gespräche anbietest. Fantastisch!

Mona, jetzt mein Angebot: Du schreibst, Geld ist ein Hebel des Stärkeren, womit du dich nicht identifizieren kannst. Kein Problem, ich regele das für dich. Du kümmerst dich dafür um den Haushalt. Dazu gehört Putzen, Waschen, Reparaturen, auch das Bügeln – ist in meinem Job leider notwendig – und wie gesagt, ums Geld kümmere ich mich ja. Das Kind darfst du in den Kindergarten bringen und abholen. Das Auto bitte täglich waschen, abends gern warmes Essen. Du wünschst dir, dass deine Mitbewohner ab und an auch mal die Wohnung verlassen, ich bin wirklich den ganzen Tag nicht zu Hause. Du führst gern Gespräche, super, unser Kater auch, außerdem habe ich auch schon einen Callcenter-Job für dich, den du von zu Hause aus machen kannst. Dein Gehalt geht natürlich auf mein Konto, das belastet dich ja nur. Du setzt gern Grenzen – wieder hast du Glück, ich auch.

Dein Inserat wurde zwar schon 250.000-mal auf WG-Gesucht.de angeklickt, aber ich bin mir sicher, dass du dich für mich entscheidest. Wir passen sehr gut zusammen. Vorausgesetzt, Mona, dass es dich wirklich gibt. Es wäre zu schön. Deine Diana Zinkler