Raumnot

Horte an Grundschulen überfüllt

In Berlin steigt die Zahl der Kinder, doch für sie gibt es zu wenig Platz. Senat räumt Probleme ein

An den Grundschulen in Berlin wird es immer enger. Vor allem der Hortbereich ist an vielen Schulen völlig überfüllt – oder wurde sogar teilweise zugunsten zusätzlicher Klassenräume aufgelöst. In der Antwort auf eine Kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten Stefan Schlede, die der Berliner Morgenpost vorliegt, räumt die Senatsbildungsverwaltung jetzt auch ein: Es gibt in einigen Bezirken Engpässe bei der räumlichen Ausstattung des Hortbereiches. Es komme vor, dass die vorhandenen Räumlichkeiten nicht mehr ausreichen, um optimale Bedingungen für den Unterricht und unterrichtsergänzende Angebote zu gewährleisten, heißt es in der Antwort von Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD). In solchen Fällen müssten die Bezirke Abhilfe schaffen.

Gründe für die Raumnot sind: Immer mehr Kinder gehen in einen Hort, hinzu kommen steigende Schülerzahlen. Vor allem in den westlichen Bezirken nehmen inzwischen viel mehr Kinder am Ganztagsbetrieb teil als noch vor fünf Jahren. „Seit der Übertragung der Horte von den Kitas an die Schulen im Jahr 2005 hat sich die Quote der Hortkinder an vielen Schulen verdoppelt, teilweise sogar verdreifacht“, sagt Cerstin Richter-Kotowski(CDU), Bildungsstadträtin von Steglitz-Zehlendorf.

Die Gebäude oder Anbauten seien für 80 bis 100 Kinder pro Schule ausgelegt gewesen, so die Bildungsstadträtin. Inzwischen seien pro Grundschule aber meist mehr als 200 Kinder im Hort. Die Senatsbildungsverwaltung argumentiere, dass das gesamte Schulgebäude für die Betreuung der Kinder zur Verfügung stehe, doch das sei oft nicht umsetzbar. Die Erzieher könnten nicht auf mehrere Gebäude und Etagen aufgeteilt werden. Die Folge: Immer mehr Kinder würden in die engen Räume gedrängt. Zum kommenden Schuljahr werde sich das Problem durch die steigende Schülerzahl noch verschärfen, ist Stadträtin Cerstin Richter-Kotowski überzeugt.

Nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung gab es im vergangenen Jahr 76.879 Kinder, die in Berlin einen Hortplatz hatten. Das sind 10.000 mehr als noch vor drei Jahren. Seit dem Jahr 2012 haben auch Fünft- und Sechstklässler einen Anspruch auf einen Hortplatz. Zudem werde das Angebot immer häufiger in Anspruch genommen, so die Bildungsverwaltung.

Im kinderreichen Bezirk Pankow kann das sogenannte Musterraumprogramm in den meisten Grundschulen nicht mehr eingehalten werden. Laut Richtwert der Bildungsverwaltung soll es pro Klasse durchschnittlich knapp zwei Räume geben. Darin sind Fachräume, Klassenräume und Horträume enthalten. „Wenn mehr Schüler untergebracht werden müssen, werden in den Schulen zuerst die Horträume geopfert“, sagt Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD), Bildungsstadträtin von Pankow. In einigen Schulen gebe es außerdem nicht einmal mehr Fachräume.

„Die Doppelnutzung von Klassenräumen als Horträume war ursprünglich bei der Einrichtung der Ganztagsbetreuung gar nicht vorgesehen“, sagt Martin Hoyer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Schließlich sollten Kinder nicht den ganzen Tag im selben Raum sitzen. Zudem soll der Freizeitbereich auch Ruheinseln, Leseecken und Gelegenheiten zum Toben enthalten. Die Bildungsverwaltung sieht die Doppelnutzung der Klassenräume heute nicht mehr so streng. Einen Mindeststandard gibt es nicht. Das Musterraumprogramm sei nur ein Richtwert für Neubauten von Schulen, heißt es. In bestehenden Gebäuden könne es nur begrenzt zur Anwendung kommen, so Staatssekretär Rackles.

„Wir haben viel mehr Kinder in den Horten als ursprünglich erwartet“, sagt auch Katrin-Schultze Berndt (CDU), Bildungsstadträtin von Reinickendorf. Der Senat habe es verpasst, rechtzeitig zu reagieren und die Räume beispielsweise mit den Mitteln aus dem Konjunkturprogramm auszubauen. Die Bezirke könnten das Problem nicht lösen. „Wir kämpfen ja schon damit, genügend Schulplätze zur Verfügung zu stellen“, so die Stadträtin.