Stadtplanung

Private Investoren dürfen nicht aufs Tempelhofer Feld

Senator Müller will dort vom Land Berlin rund 4700 preiswerte Wohnungen bauen lassen

Der Senat will an seinem Masterplan festhalten und an den Rändern des Tempelhofer Feldes insgesamt 4700 Wohnungen bauen. Das erklärte Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) im Interview mit der Berliner Morgenpost. Ihm sei wichtig, dass die Arbeiten auf dem ersten Baufeld am Tempelhofer Damm im Jahr 2016 beginnen und die ersten Mieter 2018/19 dort einziehen können, sagte Müller. Grundstücksverkäufe an private Investoren werde es auf dem Tempelhofer Feld „definitiv nicht“ geben. „Die Angst, dass dort ein Ausverkauf an Bauland stattfindet, ist völlig unbegründet. Ich will dort nicht mit Privaten bauen. Das ist eine so wertvolle öffentliche Fläche, ich will an dieser Stelle keine Privatisierung. Punkt“, stellte der Senator klar.

Am 25. Mai können die Berliner parallel zur Europawahl in einem Volksentscheid über die Zukunft des Areals abstimmen. Die „Initiative 100% Tempelhofer Feld“ hatte das Volksbegehren in Gang gesetzt. Sie lehnt jegliche Bebauung dort ab und will das Feld komplett als Fläche für Freizeit und Erholung erhalten. Ihrem Gesetzentwurf steht ein Entwurf des Abgeordnetenhauses gegenüber. Dieser sieht zwar den Erhalt der landeseigenen 230 Hektar großen Freifläche vor, aber auch eine Randbebauung mit Wohnungen, Gewerbe- und Sportflächen sowie Kitas und einer Schule. Dieser Gesetzentwurf wurde mit den Stimmen von SPD und CDU verabschiedet. Die drei Oppositionsparteien Grüne, Linke und Piraten sind zwar nicht grundsätzlich gegen Neubauten, lehnen die Pläne des Senats aber ab. Sie unterstützen die Bürgerinitiative.

Senator Müller betonte, auf dem Tempelhofer Feld würden keine Eigentumswohnungen errichtet. Zwar gebe es den Wunsch unter CDU-Abgeordneten, auf den Baufeldern „einen hohen Eigentumsanteil“ vorzusehen, doch verfolge der Senat ein anderes Konzept. Bauträger seien städtische Gesellschaften und Genossenschaften. „Und die stehen für Miete und nicht für Eigentum“, so Müller. Es sei realistisch, mindestens 50 Prozent der 4700 Wohnungen für sechs bis acht Euro Monatsmiete pro Quadratmeter anzubieten. Zum einen würden die Grundstücke günstig an die städtischen Gesellschaften vergeben, zum anderen könne der Senat Fördermittel aus dem neuen Wohnungsbaufonds einsetzen.

Der Stadtentwicklungssenator sprach sich auch dafür aus, die umstrittene Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) auf dem Tempelhofer Feld zu bauen. „Wir wollen einen Nutzungsmix für lebendige Quartiere, und da passt die Bibliothek sehr gut rein“, sagte er. Wegen der drohenden Kostensteigerungen müssten die Wettbewerbssieger ihre Entwürfe überarbeiten. „Wirtschaftlichkeit und Kostenrahmen müssen gesichert sein.“

Eine Prognose zum Ergebnis des Volksentscheids wagte Müller nicht. „Ich werbe dafür, dass wir die Ränder bebauen können“, sagte er. Das sei auch eine Grundsatzfrage. „Wenn in den nächsten 15 Jahren 250.000 Menschen mehr in unsere Stadt ziehen, müssen wir heute verantwortlich handeln und neue Wohnungen für Berlin bauen.“