Unglück

Wenig Hoffnung, große Wut

Nach der Fährkatastrophe werden noch rund 270 Menschen vermisst

Drei Tage nach dem Kentern der südkoreanischen Fähre „Sewol“ schwindet die Hoffnung, noch Überlebende der Katastrophe zu finden. Auch am Freitag gelang es den Tauchern noch nicht, zu den Passagierdecks vorzudringen, in denen die meisten der 268 Vermissten vermutet werden. Bislang wurden 28 Leichen geborgen und 179 Menschen gerettet.

Den Ermittlern zufolge wurde das Schiff mit 475 Passagieren zum Unglückszeitpunkt nicht vom Kapitän gesteuert, vielmehr stand eine erst 26 Jahre alte Offizierin am Ruder. Wo sich der 68-jährige Kapitän Lee Jun Seok aufhielt, ist offen. Ihm wird auch vorgeworfen, das sinkende Schiff als einer der Ersten verlassen zu haben. Am Abend soll er örtlichen Medien zufolge verhaftet worden sein, gegen weitere Besatzungsmitglieder wurden Haftbefehle wegen unterlassener Hilfeleistung erlassen. Die Fähre war am Mittwoch vor der Südwestküste Südkoreas gesunken. Unter den Passagieren befanden sich 340 Schüler eines Gymnasiums. Dessen stellvertretender Direktor, der die Katastrophe überlebte, erhängte sich in der Hafenstadt Jindo an einem Baum vor einer Sporthalle. Dort halten sich Angehörige von Schülern auf, die auf Nachrichten warten. Der 52-Jährige hatte die Schüler auf ihrer Ferienfahrt begleitet. Er hinterließ laut Polizei keinen Abschiedsbrief. Warum die Fähre kenterte, ist weiter unklar. Widriges Wetter und eine starke Strömung erschweren derzeit die Bergungsarbeiten.