Bilanz

Berlins Handwerk auf Höhenflug

Die Ergebnisse der Frühjahres-Umfrage haben die Erwartungen der Kammer weit übertroffen

Die Auftragsbücher der Berliner Handwerker sind gut gefüllt. Die meisten Betriebe sind mit den aktuellen Geschäftsergebnissen zufrieden und blicken optimistisch auf die kommenden Monate. Es geht ihnen deutlich besser als im vergangenen Jahr. Der Präsident der Handwerkskammer, Stephan Schwarz, spricht sogar von einem Höhenflug des Berliner Handwerks. „Die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage 2014 haben unsere Erwartungen weit übertroffen“, sagte er anlässlich der Frühjahrspressekonferenz der Berliner Handwerkskammer am Mittwoch. „84 Prozent der Handwerksunternehmen erwarten bessere oder zumindest gleichbleibende Geschäfte, nur 16 Prozent gehen von einem Rückgang aus.“

Von den insgesamt 30.735 Handwerksbetrieben der Hauptstadt sind 2470 in die Frühjahres-Umfrage einbezogen worden. Am besten geht es demnach dem Handwerk für den gewerblichen Bedarf. In diesem Bereich waren Ende März 4065 Betriebe bei der Handwerkskammer registriert. Dazu gehören vor allem Zulieferfirmen wie Metallbaubetriebe oder Kunststoff verarbeitende Betriebe. Sie melden Spitzenwerte. Ihre aktuellen Geschäftsergebnisse haben sich im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozentpunkte auf insgesamt 122 Prozentpunkte verbessert. Das ist der beste Wert seit zehn Jahren. Die Erwartungen der Betriebe an die Geschäfte in den kommenden Monaten sind sogar noch besser. Besonders gut geht es auch dem Baugewerbe und dem Ausbaugewerbe. Die in diesen Bereichen tätigen Handwerksbetriebe gehen davon aus, dass sich die Auftragslage in naher Zukunft weiter zu ihrer Zufriedenheit entwickelt. Am schlechtesten laufen die Geschäfte der Umfrage zufolge immer noch im Kraftfahrzeuggewerbe. Stephan Schwarz betonte aber, dass die wirtschaftliche Situation dieser Betriebe nicht mehr so negativ sei wie noch vor einem Jahr. „Die Entwicklung geht in die positive Richtung“, sagte er.

Den größten Einbruch hat unterdessen das Nahrungsmittelgewerbe zu verzeichnen, zu dem Ende März 431 Handwerksbetriebe zählten. Die Berliner Bäcker, Fleischer und Konditoren waren mit den Geschäften zu Beginn dieses Jahres sehr unzufrieden. Sie bewerteten ihre aktuellen Ergebnisse und ihre Zukunftsaussichten nur noch mit 89 Prozentpunkten und damit deutlich schlechter als noch vor einem Jahr. Der Präsident der Handwerkskammer machte dafür vor allem die Dumping-Konkurrenz der Discounter verantwortlich. Schwarz zeigte sich dennoch optimistisch. Die Verbraucher würden zunehmend auf Qualität setzen und lieber weniger, dafür aber hochwertigere Lebensmittel konsumieren. Erfolgreich seien vor allem die Unternehmen, die auf gesunde Ernährung setzen, sagte Schwarz.

Während die Zahl der Beschäftigten im Berliner Handwerk im Vergleich zum Vorjahr fast gleich geblieben ist, hat sich die Zahl der freien Ausbildungsstellen von rund 200 auf aktuell 500 erhöht. Schwarz bezeichnete es als Herausforderung der kommenden Jahre, Angebot und Nachfrage auf dem Lehrstellenmarkt besser zusammenzubringen. Zugleich betonte er, dass mehr als ein Viertel aller Betriebe Personal suche.

Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin, kritisierte den Berliner Senat. Die Politiker würden die Energiewende verschlafen. Gerade in diesem Bereich liege aber ein großes Auftragspotenzial für die Berliner Handwerksbetriebe.