Gesundheit

Gut versorgt: 19.000 Ärzte arbeiten in Berlin

Die Hauptstadt nimmt einen Spitzenplatz in Deutschland ein. Brandenburg ist Schlusslicht. Ärztekammerpräsident warnt vor Überalterung

– Die Zahl der berufstätigen Ärzte in Deutschland ist im vergangenen Jahr um 8500 oder 2,5 Prozent auf rund 357.000 gestiegen. Dabei ist die Ärztedichte in Berlin so hoch wie in kaum einem anderen Bundesland. Auf einen berufstätigen Arzt kommen hier 187 Einwohner. Nur in den anderen beiden Stadtstaaten Bremen und Hamburg ist die Dichte mit 175 beziehungsweise 151 Einwohnern pro Arzt noch höher. Das geht aus einer neuen Statistik der Bundesärztekammer hervor, die am Montag veröffentlicht wurde.

Im vielerorts dünn besiedelten Brandenburg hingegen müssen sich statistisch 276 Menschen einen Arzt teilen. Brandenburg ist damit Schlusslicht unter den Bundesländern hinter Sachsen-Anhalt und Niedersachsen, wo 262 beziehungsweise 261 Menschen auf einen Arzt kommen. Das Flächenland mit der höchsten Ärztedichte ist das Saarland mit 213 Einwohnern pro Arzt, gefolgt von Bayern mit 217.

Laut Bundesärztekammer arbeiteten Ende 2013 in Berlin knapp 19.000 Ärzte, so viele wie auch ein Jahr zuvor. 8850 von ihnen waren in Krankenhäusern tätig, 7492 in der ambulanten Versorgung. In Brandenburg waren Ende vergangenen Jahres rund 9000 Ärzte tätig, 2,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. 4838 von ihnen waren in Krankenhäusern, 3600 in der ambulanten Versorgung beschäftigt.

Nach der Erhebung der Kammer hat sich auch das Durchschnittsalter der Mediziner weiter erhöht: Bei den niedergelassenen Ärzten stieg es innerhalb eines Jahres in Deutschland von 52,8 auf 53,1 Jahre. Mehr Ärzte arbeiten zudem in Teilzeit. Rund 145.900 ambulant arbeitenden Ärzten stehen 181.000 Mediziner in Krankenhäusern gegenüber. In Behörden, dem öffentlichen Gesundheitsdienst oder anderen Bereichen arbeiten zudem 30.300 Ärzte.

Der Anstieg bei den in Teilzeit tätigen Ärzten relativiert laut Ärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery das Plus bei der Beschäftigtenzahl. Gleichzeitig verabschieden sich immer mehr Mediziner in den Ruhestand. Trotz des Gesamtzuwachses sei der Ärztemangel „in vielen Regionen Deutschlands längst Realität“, erklärte Montgomery. Statistisch gesehen gibt es heute über 50.000 Ärzte mehr als noch vor zehn Jahren. Seit 1990 stieg die Zahl sogar um rund 120.000. Auch das Verhältnis Arzt-Einwohnerzahl hat sich stetig verbessert: Kamen 1990 noch durchschnittlich 335 Einwohner auf einen Arzt, waren dies im vergangenen Jahr 230 Einwohner. Allerdings stieg laut Ärztekammer im Gegenzug die Zahl der Behandlungsfälle, weil immer mehr alte Menschen ärztlicher Hilfe bedürfen.

Nicht nur das Durchschnittsalter der Ärzte nimmt seit Jahren zu, was sich laut Montgomery vor allem im ambulanten Bereich bemerkbar mache. Auch die Zahl der Ruheständler steige stetig. Ihre Zahl erhöhte sich 2013 in Deutschland um 3,8 Prozent auf 72.540. Die demografische Entwicklung habe „auch die Ärzteschaft erfasst“, betonte Montgomery.

„In Berlin haben wir eine insgesamt gute ärztliche Versorgung“, sagte Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) am Montag, die Ungleichgewichte innerhalb der Stadt seien aber groß. „In unterversorgten Bezirken ist dies insbesondere für die Älteren und diejenigen aus bildungsferneren Haushalten ein Problem“, so Czaja. Der Gemeinsame Bundesausschuss, das oberste Beschlussgremium der Selbstverwaltung der Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen, habe allerdings festgelegt, dass Berlin für alle Arztgruppen eine gemeinsame Versorgungsregion sei. Daher gebe es keine Möglichkeit, eine kleinräumigere Bedarfsplanung, etwa auf Bezirksebene, vorzunehmen. „Etwas anderes umzusetzen, gelingt nur, wenn die Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenkassen mit der Senatsverwaltung an einem Strang ziehen“, sagte Czaja. Es sei inzwischen aber vereinbart, Demografie- und auch Sozialdaten bei der Betrachtung der ärztlichen Versorgung heranzuziehen.