Partnerschaft

Zu mir oder zu dir?

Immer mehr Paare in Deutschland leben in getrennten Wohnungen

Abends gemeinsam auf dem Sofa sitzen, einen Rotwein trinken und ein bisschen vom Tag erzählen – das hält eine Ehe zusammen, glauben viele Paare. Soziologen sehen das durchaus anders. In getrennten Wohnungen zu leben ist für den Bestand von Partnerschaften gar nicht so schlecht, wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden feststellte. Über einen Zeitraum von drei Jahren wurden Paare beobachtet, und mehr als die Hälfte hatte Bestand. Nur rund 15 Prozent der Partnerschaften scheiterten, und nur etwa ein Drittel der Paare zog in eine gemeinsame Wohnung. Die sogenannte Bilokalität scheint also eine länger anhaltende Lebensform zu sein, wie die Analysen des Bundesinstituts an rund 12.400 Personen ergaben. Den Forschern zufolge leben immer mehr Paare in Deutschland in getrennten Wohnungen. Inzwischen seien es mehr als zehn Prozent aller Paare. Eine bilokale Partnerschaft besteht dann, wenn sie mindestens ein Jahr dauert, sich die Partner in sexueller Hinsicht als Paar verstehen und die zwei auch von anderen als Paar wahrgenommen werden.

Oft ist die berufliche Situation der Grund. Seit vielen Jahren werde von den Arbeitnehmern mehr Mobilität gefordert. Die meisten Menschen können sich nur noch sehr bedingt aussuchen, wo ihr Arbeitsplatz liegt. Andere entscheiden sich hingegen ganz bewusst für zwei getrennte Haushalte, da bei ihnen der Wunsch nach mehr persönlichen Freiräumen besteht.