Sanierung

Prüfer warnen: Neue Betten an der Charité zu groß für Aufzüge

Interner Bericht sieht auch Kostenrisiko bei Hochhaus-Sanierung. Kliniksprecher: „Sind im Budget“

– Bei der Sanierung des Bettenhochhauses der Charité am Campus Mitte drohen Kostensteigerungen. Das geht aus einem Monatsstatusbericht des Projektsteuerungsbüros hervor. Dort wird der Stand der Kosten und Termine nach einem Ampelsystem dargestellt. Während diese Ampel bei den Terminen noch „Grün“ zeigt, steht sie bei den Kosten auf „Gelb“. Das bedeutet in der Sprache der Projektsteuerer: „Erreichen des nächsten Meilensteines gefährdet. Projektziel nicht gefährdet, Gegenmaßnahmen erforderlich“. Nach Informationen der Berliner Morgenpost ist zu befürchten, dass es durch Zeitverzögerungen im Bauablauf zu Kostensteigerungen kommen kann, die die Ampel dann auf „Rot“ springen lassen. Als Hauptproblem würden derzeit Kostenrisiken bei der Fassade ausgemacht.

Uwe Dolderer, Sprecher des Universitätsklinikums, wies die Darstellung zurück: „Es drohen keine Mehrkosten, wir bewegen uns in dem zur Verfügung stehenden Budget“, sagte er der Berliner Morgenpost. Außerdem führt ein Prüfvermerk Probleme mit den neuen Klinikbetten auf. Sie seien breiter als die bisher am Uniklinikum eingesetzten. Nun sei zu befürchten, dass sie für die Aufzüge im Hochhaus zu groß bemessen sind.

Mit der Sanierung des Bettenturms und dem Neubau des OP-Traktes hatte die Charité Anfang dieses Jahres begonnen. Es ist ihr derzeit größtes Bauprojekt. Der Baukonzern Züblin aus Stuttgart und die in Wien ansässige Vamed sind die Generalunternehmer, die Arbeitsgemeinschaft ging als Sieger aus einer europaweiten Ausschreibung hervor. Vamed ist ein weltweit tätiger Spezialist für den Bau, die Erneuerung und den Betrieb von Infrastruktur in Krankenhäusern. Der Etat für das Projekt wurde um 17,5 Millionen auf 202,5 Millionen Euro erhöht, weil sich im Vergabeverfahren kein Bieter gefunden hatte, der es zu dem mit dem Senat vereinbarten Preis umsetzen wollte. Die Fertigstellung ist für April 2016 vorgesehen, die Inbetriebnahme für Ende Juni 2016.

Für die neue Fassade des Hochhauses wurde im Mai 2012 ein Architektenwettbewerb durchgeführt. Gebaut wird nach einem Entwurf des Hamburger Büros Schweger & Partner. Er sieht ein strahlend weißes Oberteil auf einem fünf Etagen hohen Sockel in Klinkeroptik vor. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher bescheinigte ihm eine „sympathische Ausstrahlung“. Die Sanierung der Fassade soll etwa 22 Millionen Euro kosten.

Im Bettenhaus werden Vierbett- zu Zweibettzimmern umgebaut. Vorgesehen ist, dass die Bettenzahl gleich bleibt. Die neuen Zimmer bekommen größere Bäder, ein neues Lichtsystem und größere Fenster. Alle Betten können von den Patienten elektrisch verstellt werden. An jedem Bett wird ein Terminal installiert, von dem aus Telefon, TV, Internet und die Kommunikation mit der Station gesteuert werden können.

Doch die hochmodernen Betten, die bereits für die Campus-Klinik, den Ersatzbau während der Sanierungsphase, angeschafft wurden, könnten dem Universitätsklinikum ungeahnte Schwierigkeiten bescheren. Die Betten sind breiter als ihre Vorgänger. Nach Morgenpost-Informationen heißt es in einem Prüfvermerk, dass in den Aufzügen der Campus-Klinik teilweise die Handläufe entfernt wurden, um bei Bettentransporten genügend Platz für die Begleiter zu haben. Nun befürchten Baufachleute, dass die Betten auch für die Aufzüge im Hochhaus zu voluminös sind. Die Aufzugsgröße sei jedoch ungeachtet der Gebäudesanierung nicht zu ändern.

Dazu sagte Charité-Sprecher Uwe Dolderer: „In der Campus Klinik gibt es zwei Bettenaufzüge und einen Personenaufzug. Hier gibt es kein Bettenproblem. Im Projekt Bettenhochhaus erstellt der Generalunternehmer die Ausführungsplanung. Die Charité befindet sich mit dem Generalunternehmer in den notwendigen Feinabstimmungen. Dass die Betten nicht in die Aufzüge passen, ist uns nicht bekannt.“