Energieunternehmen

Wettbewerb um Berlins Gasnetz geplatzt

Mit Alliander zieht sich der stärkste Konkurrent der Gasag zurück

Das Wettbewerbsverfahren um das Berliner Gasnetz hat einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Mit dem holländischen Netzbetreiber Alliander zieht sich der stärkste Konkurrent des bisherigen Konzessionsinhabers Gasag zurück. Das im Besitz von niederländischen Provinzen und Kommunen liegende Unternehmen beugt sich damit dem Druck der örtlichen Parlamente, die ein Milliardenengagement in Deutschland nicht mittragen wollen.

Damit bleibt neben der Gasag nur noch der vom Senat aufgebaute Rumpfbetrieb Berlin Energie im Rennen, dem Experten jedoch kaum Chancen einräumen, seine Eignung als zuverlässiger Netzbetreiber nachweisen zu können. Weil Alliander Gas- und Stromnetz zusammenführen wollte, steht auch die Bewerbung um das Stromnetz infrage. Am Mittwoch stimmte das Parlament der Provinz Gelderland über die Expansionsstrategie Allianders ab. Die Politiker aus der nahe der deutschen Grenze gelegenen Region sind entscheidend, weil Gelderland 41 Prozent von Alliander gehören. Die Provinz Nordholland und die Stadt Amsterdam, denen zusammen 18 Prozent gehören, hatten sich vor einigen Tagen gegen ein Engagement ausgesprochen.

Ein Antrag der konservativen Partei CDA im Gelderländer Parlament, die Deutschland-Pläne aufzugeben, wurde zwar nach Informationen der Morgenpost nicht abgestimmt. Die Volksvertreter hätten weder ein Ja noch ein Nein abgegeben, sagte Ton Doesburg, der Chef von Alliander Deutschland. Der frühere Finanzdezernent von Gelderland hoffte noch, in den nächsten Tagen die politische Stimmung zu drehen. Die Arnheimer Zentrale von Alliander hat nach Worten einer Sprecherin jedoch entschieden, den Vorgaben der Politiker zu folgen und die Bewerbung fallen zu lassen. Denn die Zeit ist zu knapp. Am 2. April treffen sich die Anteilseigner von Alliander. Fünf Tage später muss bei der Vergabestelle beim Berliner Finanzsenator ein verbindliches Angebot für das Gasnetz eingegangen sein.