Karaseks Woche

Schavan im Titelkampf

Am Ende bleibt der Ex-Ministerin der Ehrendoktor

Was haben der FC Bayern und Annette Schavan gemeinsam? Beide kämpfen um die Titelverteidigung. Wobei der FC Bayern den Titel de facto schon gewonnen hat, während Schavan ihren Doktortitel krachend verlor. Nichtsdestotrotz geht sie wahrscheinlich in Revision.

Was unterscheidet den Fall Schavan vom Fall Hoeneß? Bei Hoeneß ist die Anfangsstraftat, die zum Zocken gestifteten Adidas-Millionen, verjährt. Bei Schavan liegt die Doktorarbeit zwar schon 34 Jahre zurück, und so wollte auch ihr Anwalt in Düsseldorf auf Verjährung plädieren.

Komisch, dass es bei Doktorarbeiten, wenn man plagiiert hat, keine Verjährung gibt, bei Geld schon. Noch dazu hätte das Gericht Frau Schavan zur tätigen Reue anstiften und ihr einfach sagen können: Schreib deinen Mist doch noch mal um, und verwende diesmal Anführungszeichen!

Mit den Anführungszeichen war das damals in den 80er-Jahren so eine Sache. Sie lagen auf der Schreibmaschine, auf meiner alten Erika zum Beispiel, in der zweiten Reihe über der 2 ganz oben. Man musste das Schiff hochstellen, um sie zu erreichen, sonst traf man nur eine 2. Frau Schavan hätte sagen können, bei ihrer Maschine sei diese Taste kaputt gewesen. Und Anführungszeichen, Gänsefüßchen unten und Gänsefüßchen oben, waren damals sowieso ein Politikum. Die „DDR“ hatte Anführungszeichen, oder die DDR hatte auch keine, auf jeden Fall hieß sie die sog. „DDR“, und Frau Schavan geht deshalb so gerne in die höhere Instanz und lässt sich doch abwatschen, damit sie ihr Briefpapier mit dem Doktortitel so lange aufbrauchen kann, ohne ihn durchixen zu müssen.

Allerdings könnte sie, wenn sie endgültig gescheitert ist und laut Koalitionsvertrag als Botschafterin in den Vatikan hochgefallen wird, den Doktor h. c. der Tongji-Universität in Shanghai führen.

Ob sie danach allerdings an der Uni lehren dürfte, ist fraglich. Aber wer will das schon, wenn er in den Vatikan hinaufgefallen worden ist.

Die Häme hat sich Frau Schavan redlich verdient. Als sie dem beim Plagiieren erwischten Minister Guttenberg bescheinigte, er bringe die ganze Wissenschaft in Verruf und sie schäme sich „nicht nur heimlich“, war sie selbst eine unheimliche Plagiatorin.

Man nennt so was einen Pharisäer: Er sieht laut Bibel den Splitter im fremden Auge und den Balken (60 Plagiatsstellen) im eigenen Auge nicht.

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost