Hoeneß-Urteil

Im Strafraum

Uli Hoeneß geht nicht in Revision und legt alle seine Ämter beim FC Bayern nieder. Der Haftantritt in Landsberg folgt in einigen Wochen

Ein Schreibtisch, ein Schrank, ein schmales Bett. Viel mehr Mobiliar wird Uli Hoeneß nicht haben, wenn er seine Zelle in der JVA Landsberg am Lech bezieht. Der wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilte Präsident des Fußballvereins FCBayern München hat am Freitag seine Gefängnisstrafe akzeptiert – und alle Posten beim FC Bayern aufgegeben. Er erklärte, er werde die Entscheidung des Landgerichts München nicht anfechten und auch keine Revision gegen sein Hafturteil einlegen.

Allerdings hält sich die Staatsanwaltschaft noch offen, ihrerseits beim Bundesgerichtshof Revision zu beantragen. Die Behörde hatte mit fünfeinhalb Jahren eine deutlich höhere Haftstrafe für Hoeneß gefordert. Ob die Strafverfolger diesen Schritt gehen, wollen sie nach Angaben eines Sprechers jedoch nicht vor Anfang kommender Woche entscheiden.

Erst wenn das Urteil rechtskräftig ist, kann Hoeneß laut einer Gerichtssprecherin eine Ladung zum Strafantritt bekommen. Dafür müsse zunächst mit der für ihn zuständigen Justizvollzugsanstalt Landsberg geklärt werden, wann ein Haftplatz frei ist. Es werde sicher noch einige Wochen dauern, bevor Hoeneß in Haft gehen werde, sagte die Sprecherin. Hoeneß, der sich gegen eine millionenschwere Kaution vorläufig auf freiem Fuß befindet, verbrachte den Freitagnachmittag mit seiner Familie bei strahlendem Sonnenschein in seinem Garten am Tegernsee am Rande der Alpen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), zu deren Gesprächspartnern Hoeneß bis zum Bekanntwerden seiner Steueraffäre gezählt hatte, zollte ihm Anerkennung für seine Entscheidung. „Ich kann das Urteil natürlich nicht kommentieren. Aber die Tatsache, dass Uli Hoeneß das Urteil jetzt so angenommen hat, nötigt mir hohen Respekt ab“, sagte sie am Rande der Handwerksmesse in München. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sagte: „Das zeigt, dass er ein Mensch mit Format ist.“

Hoeneß hatte in seiner vom FC Bayern München verbreiteten persönlichen Erklärung mitteilen lassen, er habe seine Anwälte beauftragt, nicht in Revision zu gehen. „Außerdem lege ich mit sofortiger Wirkung die Ämter des Präsidenten des FC Bayern München e.V. und des Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München AG nieder“, schrieb der 62-Jährige, der Deutschlands erfolgreichsten Fußballklub seit Jahrzehnten prägt. Mit dieser Entscheidung wolle er Schaden von seinem Verein abwenden. „Der FC Bayern München ist mein Lebenswerk, und er wird es immer bleiben“. Die Steuerhinterziehung nannte er den „Fehler meines Lebens. Den Konsequenzen dieses Fehlers stelle ich mich.“ Er habe sich nach Gesprächen mit seiner Familie entschlossen, den jetzt verkündeten Schritt zu gehen.

Neuer Aufsichtratschef der Fußball-AG des Vereins wird Adidas-Chef Herbert Hainer. „Uli Hoeneß hat mit seinen Führungsqualitäten, seinem hohen persönlichen Einsatz und seiner herausragenden Lebensleistung immer dem Wohle des FC Bayern München gedient“, erklärte Hainer. Karl Hopfner soll neuer Präsident des Klubs werden.

Hoeneß hatte mit einem Schweizer Bankkonto mehr als 28 Millionen Euro Steuern auf Spekulationsgewinne hinterzogen. Er hatte versucht, mit einer Selbstanzeige beim Finanzamt eine Strafe abzuwenden, wie es das Gesetz unter bestimmten Voraussetzungen vorsieht. Das Gericht ließ dies jedoch nicht gelten, weil die Selbstanzeige unvollständig gewesen sei. Allerdings hielten die Richter Hoeneß zugute, dass er alles eingeräumt und sich im Grunde selbst verraten habe.