Urteil

Kurzer Prozess: 3,5 Jahre Haft für Uli Hoeneß

Verteidigung kündigt Revision an. Präsident des FC Bayern bleibt noch auf freiem Fuß

Nach vier Verhandlungstagen ist Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung vor dem Landgericht München zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Mit dem Strafmaß blieb das Gericht deutlich hinter der Forderung der Staatsanwaltschaft zurück, die den Präsidenten des Fußballvereins Bayern München fünfeinhalb Jahre hinter Gitter bringen wollte. Staatsanwalt Achim von Engel sah angesichts der Summe der Steuerschulden von rund 28 Millionen Euro einen besonders schweren Fall der Steuerhinterziehung. Richter Rupert Heindl verhängte zwar eine Haftstrafe ohne Bewährung, einen schweren Fall wollte er allerdings nicht sehen. Zumal Hoeneß alles eingeräumt und sich im Grunde selbst verraten habe.

Allerdings seien die ersten Angaben über seine Steuerschulden so lückenhaft gewesen, dass sie nicht für eine Strafverschonung reichten. „Nur mit den vorgelegten Unterlagen hat keine wirksame Selbstanzeige erstellt werden können“, erklärte Heindl. Für den Schnellschuss trage Hoeneß selbst die Verantwortung, nachdem er von Recherchen eines Reporters aufgeschreckt worden sei. „Nachdem Sie unter Druck standen, ist das ein Risiko, dass man halt eingeht“, sagte der Richter.

Der Präsident des FC Bayern rang um Fassung, während die Kammer den Schuldspruch verlas. Seine Anwälte kündigten Revision an, um die Wirksamkeit der Selbstanzeige vor dem Bundesgerichtshof doch noch zu erreichen. Hoeneß’ Rechtsbeistände hatten lediglich kleinere Fehler in der Selbstanzeige eingeräumt und sie an sich für wirksam betrachtet. Anwalt Hanns W. Feigen hatte deshalb eine Einstellung des Verfahrens oder allenfalls eine Bewährungsstrafe verlangt.

Hoeneß selbst bleibt bis auf Weiteres auf freiem Fuß, er darf auch zu Spielen seines Vereins ins Ausland reisen. Das Landgericht hielt den gegen ihn bestehenden Haftbefehl aufrecht, setzte ihn nach den Worten Heindls aber außer Vollzug. Sollte allerdings die nächste Instanz das Urteil bestätigen, muss Hoeneß in die Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech. Mit etwas Glück könnte Hoeneß dann nur die Hälfte der Strafe hinter Gittern verbringen, also 21 Monate – und dies dann womöglich auch nur nachts. Denn das Strafgesetzbuch ermöglicht sogenannte Halbstrafen, wenn „Milderungsgründe von besonderem Gewicht vorliegen“. Im Fall Hoeneß könnten diese besonderen Umstände darin liegen, dass die Selbstanzeige aus eher formalen Gründen gescheitert ist.

Der Aufsichtsrat der FC Bayern München AG, dessen Vorsitzender Hoeneß ist, kam am Nachmittag zu Beratungen zusammen. Das Ergebnis der Gespräche, an denen Audi-Chef Rupert Stadler, Adidas-Chef Herbert Hainer und VW-Boss Martin Winterkorn teilnahmen, sollte aber nicht mehr am Donnerstag veröffentlicht werden. Reiner Holznagel, Präsident des Steuerzahlerbundes, sagte der Berliner Morgenpost, das Urteil sei „angemessen“. Es mache deutlich, dass ab bestimmten Zahlen und Größenordnungen eine Gefängnisstrafe drohe und dass es in Steuerverfahren keinen Promi-Bonus gebe.