Haushalt

Charité in Not: Finanzrisiken liegen bei 150 Millionen Euro

Universitätsklinikum könnte ins Minus rutschen. Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Geheimkonten

Der Druck auf die Berliner Universitätsklinik Charité wächst. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen der außerhalb der offiziellen Buchführung verbuchten Forschungsgelder. „Heute ist das Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche der Charité von Amts wegen eingeleitet worden“, sagte eine Sprecherin der Behörde am Mittwoch. Es bestehe der Verdacht eines Bilanzierungsdelikts. Das Bundesforschungsministerium verlangt auf Druck des Bundestages ebenfalls Aufklärung. Und die Gewerkschaft Verdi ruft die Beschäftigten wegen der stockenden Tarifverhandlungen für Montag zum Warnstreik auf. Gleichzeitig sieht der Vorstand um Karl Max Einhäupl hohe Risiken, dass die angestrebte schwarze Null für 2014 nicht erreicht werden könnte.

Nach dem Wirtschaftsplan für dieses Jahr strebt Einhäupl nur noch ein hauchdünnes Plus von 40.000 Euro an. 2013 sollte der Jahresabschluss einen Gewinn von 1,2 Millionen Euro ausweisen. Die Kalkulation hatte jedoch für beide Jahre die zweistelligen Millionenbeträge nicht erfasst, die die Fakultätsleitung aus Verwaltungspauschalen für Forschungsprojekte auf geheimen Konten geparkt hatte. Das Ziel eines ausgeglichenen Jahresergebnisses bezeichnet der Vorstand in seinem Wirtschaftsplan als „ehrgeizig“. Die finanziellen Risiken, die der Vorstand bewertet hat, summieren sich nach Informationen der Berliner Morgenpost auf fast 150 Millionen Euro.

Etliche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Deutschlands größte Universitätsklinik trotz deutlich steigender Personal- und Sachkosten nicht ins Minus rutscht. Vor allem braucht die Klinik mehr Patienten, und das trotz der Baumaßnahmen. Die meisten Kliniken hätten 2013 einen „Erlöseinbruch“ erlitten, dieser Trend müsse nun umgekehrt werden, heißt es in dem Wirtschaftsplan. Auf über 90 Prozent müsse unter der Woche die Auslastung der Betten ansteigen, die Verweildauer der Patienten müsse sinken. Insgesamt sollen die Erlöse aus dem Krankenhausbetrieb um 3,8Prozent steigen, die Charité müsste 28 Millionen Euro mehr einnehmen und 29 Millionen Euro weniger ausgeben als im Laufe des vergangenen Jahres angenommen.

Gleichzeitig könnten die Bauaktivitäten zu Erlöseinbußen führen. Der mögliche Schaden liegt bei zehn Millionen Euro. Die zunehmende Konkurrenz und die „damit verbundenen rückläufigen Patientenströme“ werden mit einem Schadenspotenzial von acht Millionen Euro angegeben. Mit allein 20 Millionen Euro beziffert Einhäupl die Risiken aus „Personalmotivation und Personalbindung“. Es drohe der Verlust von Fachkräften durch lange Ausfallzeiten oder das Abwerben durch andere Krankenhäuser. Besonders angespannt ist die finanzielle Lage in der Fakultät, die für Lehre und Forschung zuständig ist und getrennt von der eigentlichen Krankenversorgung wirtschaftet. Der Landeszuschuss bleibe „unter dem Kostenanstieg“. So steuert die Fakultät auf ein Minus von 3,3 Millionen Euro zu. Hier kommen die derzeit diskutierten Drittmittel ins Spiel, mit denen Bundesministerien, Forschungsorganisationen oder Industrie Forschungsvorhaben finanzieren. Damit soll die Finanzlücke geschlossen werden.

Außerdem setzt die Charité große Hoffnungen in die Kooperation mit dem vor allem vom Bund finanzierten Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) im Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG). Für die Charité würden aus dem BIG „deutliche Entlastungen entstehen“, heißt es in dem Wirtschaftsplan. Ohne die Hoffnung auf Forschungsmittel aus dem BIG wäre ein „signifikanter Personalabbau“ nötig.