Verkehr

Polizeipräsident für Null-Promille-Grenze

Betrunkene Autofahrer werden in Berlin nur sehr selten erwischt

Alkoholeinfluss gehörte im vergangenen Jahr zu den fünf häufigsten Unfallursachen auf Berlins Straßen. Das geht aus der neuen Verkehrsstatistik hervor, die Polizeipräsident Klaus Kandt am Donnerstag vorstellte. Mehr als 1400 Unfälle mit fünf Toten zählte die Polizei 2013, bei denen Alkohol im Spiel war. Bei 98 Prozent dieser Unfälle war der Alkoholeinfluss auch der Grund für den Verkehrsunfall. Kandt sprach sich in dem Zusammenhang für ein Alkoholverbot für Autofahrer aus. Er fordere eine solche Gesetzesänderung von der Politik zwar nicht, aber eine Null-Promille-Grenze „wäre mir willkommen“, so Kandt.

Betrunkene Autofahrer werden laut dem Polizeichef nur sehr selten erwischt. „Das Dunkelfeld ist sehr groß“, sagte er. Schätzungen zufolge werde nur jede 400. Fahrt unter Alkoholeinfluss von der Polizei entdeckt, so Kandt. Bei Drogenmissbrauch sei das Dunkelfeld sogar noch größer, hier rechne die Polizei damit, dass nur jeder 1000. Autofahrer, der Drogen genommen hat, erwischt werde. „Das ist leider sehr wenig, da müssen wir mehr tun“, sagte Kandt.

Um das Dunkelfeld aufzuhellen, setze die Polizei auf bessere Qualifizierung ihrer Mitarbeiter, so Kandt. Ziel sei es, dass Polizisten etwa Fahrverhalten unter Drogen besser erkennen können. Außerdem will sich die Polizei mit Aufklärungskampagnen an die besonders für Alkohol und Drogen anfällige Zielgruppe der jungen Erwachsenen wenden. Alkoholeinfluss führe regelmäßig zu überhöhter Geschwindigkeit, so Kandt. „Das ist kein Kavaliersdelikt.“

Insgesamt registrierte die Polizei 2013 einen leichten Anstieg um 0,1 Prozent auf fast 131.000 Unfälle, aber weniger Verletzte und Tote. Die Grünen kritisierten, dass obwohl die Gefahrenstellen auf Berlins Straßen bekannt seien, seitens des Senats aber zu wenig unternommen werde, um diese zu beseitigen.