Befragung

Berliner Unternehmen erwarten beste Geschäfte seit 20 Jahren

Konjunkturumfrage der IHK in der Region: Firmen wollen investieren und neue Jobs schaffen

Die Geschäfte der Unternehmen in Berlin und Brandenburg laufen gut, aber die Erwartungen an die weitere Entwicklung sind noch besser. Das hat die Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) aus Berlin, Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus ergeben. Der sogenannte Konjunkturklimaindex, der sich aus dem Saldo von negativen und positiven Einschätzungen der Gegenwart und der Zukunft ergibt, kletterte zum Jahresbeginn 2014 auf 129Punkte. „Das ist der höchste Wert seit 1995“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Berliner IHK, Christian Wiesenhütter. Die Umfrage stützt sich auf die Angaben von mehr als 1500 Unternehmen in der Region.

Dabei übertrifft die Stimmung der Berliner Betriebe das schon hohe Niveau im Umland. 54 Prozent der Berliner Unternehmer bezeichnen ihre Geschäftslage als gut, 37 Prozent als befriedigend, nur neun Prozent als schlecht. 43 Prozent gehen zudem davon aus, dass die Geschäfte in den nächsten Monaten noch besser laufen werden. Die Hälfte rechnet mit gleichbleibendem Niveau, nur sieben Prozent blicken pessimistisch in die Zukunft. „Berlin nimmt konjunkturelle Wachstumsimpulse schneller auf als andere Regionen“, so Wiesenhüter.

Erholung auch in Krisenländern

Insgesamt seien die Sorgen wegen der Euro-Krise gesunken. Die Betriebe setzen auf eine Erholung in wichtigen Absatzmärkten, auch in den EU-Krisenstaaten wie Spanien oder Griechenland. Zudem profitierten die Berliner Betriebe von steigenden Einkommen und wachsender Bevölkerung. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes lebten zum Ende des dritten Quartals 2013 rund 32.000 mehr Menschen in der Hauptstadt als zu Jahresbeginn.

Besonders die Dienstleistungsbranche schätzt die Zukunft positiv ein. Aber auch die Industrie hat wegen gestiegener Auftragseingänge hohe Erwartungen. Jedes vierte Industrieunternehmen in Berlin geht von steigenden Exporten aus, nur fünf Prozent befürchten einen Einbruch bei den Verkäufen ins Ausland. „Die Auftragslage ist gut, die Maschinenparks ausgelastet“, sagte IHK-Vertreter Wiesenhütter. Fast jedes dritte Unternehmen will 2014 mehr investieren als zuletzt. Nur elf Prozent gaben an, in den kommenden Monate darauf zu verzichten. Dabei geht es den Berliner Firmen nicht nur um den Ersatz unmoderner Anlagen: 39 Prozent wollen ihre Kapazitäten erweitern.

Auf dem Arbeitsmarkt wird sich nach der IHK-Prognose diese Stimmungslage ebenfalls auswirken. Jeder vierte Betrieb in Berlin braucht zusätzliches Personal. Nur jeder sechste glaubt, künftig weniger Mitarbeiter zu benötigen. Die Neueinstellungen werden sich nach Einschätzung der Kammern fortsetzen, jedoch mit weniger Tempo als bisher. Im vergangenen Jahr fanden 33.000 Menschen einen neuen Job. Der positive Trend hat aus Sicht der vier Kammern jedoch nichts mit der Politik zu tun. „Wir wachsen trotz der Politik, nicht wegen der Politik“, sagte Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus. Die Kammern kritisierten die Bundespolitik ebenso wie die Verantwortlichen in der Region. Die neue Bundesregierung lege zu viel Wert auf die Verteilung der Gelder und zu wenig darauf, wie der Wohlstand erwirtschaftet werde.

Straßen sollen saniert werden

Für Berlin und Brandenburg mahnten die Kammern eine bessere Planung und den Ausbau der grenzüberschreitenden Verkehrswege an. In Berlin müsse der Senat „Gas geben“ mit der Sanierung von Brücken und Straßen, deren Zustand für den Schwerlastverkehr zunehmend ein Hindernis darstelle.

Für ganz Deutschland verbessern sich die Wirtschaftsaussichten ebenfalls. Nach Medienberichten wird die Bundesregierung im Jahreswirtschaftsbericht ihre Wachstumsprognose für 2014 von 1,7 auf 1,8 Prozent anheben.