Verkehrsgerichtstag

Schluss mit Sächseln

Aufgebrachter Leipziger Anwalt ohrfeigt Berliner Komiker auf der Bühne

Der deutsche Verkehrsgerichtstag in Goslar ist eine ehrwürdige Veranstaltung. Richter, Staatsanwälte, Professoren und Verkehrsrechtler treffen sich im Marmorsaal der Stadt und diskutieren komplizierte juristische Fragen zum Straßenverkehr. Üblich ist ein Tenor wie: Polizei und Gesetzgeber müssen härter gegen das Rowdytum auf den deutschen Straßen vorgehen, es werde zu viel getrunken, die Disziplin sei völlig im Eimer. Ein Teilnehmer aus Sachsen hat dies alles wohl gehört, aber offenbar gründlich missverstanden: Im Goslarer Hotel „Kaiserworth“ gastierte der Berliner Komiker Ole Lehmann. Im Publikum saß auch der 57 Jahre alte Rechtsanwalt aus Leipzig. Auf seiner Homepage beschreibt Lehmann sein Repertoire mit Sätzen wie „Die Nummern basieren auf seiner feinen und genauen Beobachtung von Menschen und Alltagssituationen. Seine Pointen sitzen perfekt.“ Nun muss Herr Lehmann wohl irgendwo auch einen Sachsen fein und genau beobachtet haben, jedenfalls begann er auf der Bühne zu sächseln. Das gefiel dem Leipziger Anwalt aber nicht. Er stürmte auf die Bühne und verpasste dem Komiker eine Ohrfeige, berichtete die „Goslarsche Zeitung“. Hotelmitarbeiter mussten den aufgebrachten Juristen ins Freie befördern.

Auf dem Marktplatz randalierte der Leipziger Jurist dann weiter und wollte auf Passanten einschlagen. Was danach passierte, ist dokumentiert. Als Polizisten einschritten, wurden sie von dem stark Alkoholisierten beleidigt, berichtete ein Sprecher. Die Beamten sperrten den Rechtsanwalt bis zum nächsten Morgen in eine Ausnüchterungszelle. Jetzt muss sich der Mann wegen Körperverletzung und Beamtenbeleidigung verantworten. Aber warum hat er sich überhaupt so aufgeregt? Sächselte Lehmann falsch? Wollte der Anwalt alle erniedrigten Sachsen rächen? Der Anwalt wird vor Gericht viel erklären müssen.