Sicherheit

Gerichtsmediziner bemängeln deutsches Kinderschutz-System

Die Berliner Gerichtsmediziner Saskia Guddat und Michael Tsokos haben die Arbeit der Jugendämter scharf angegriffen und eine grundlegende Reform des Systems der Familienarbeit gefordert.

„Das muss auf die Agenda von Familienministerin Manuela Schwesig“, sagte Michael Tsokos in Berlin bei der Vorstellung des Buchs „Deutschland misshandelt seine Kinder“. Das System des Kinderschutzes sei krank und müsse überdacht werden, forderte er.

In ihrer täglichen Arbeit seien die beiden Gerichtsmediziner mit Fällen konfrontiert, die so schrecklich seien, dass sie viele Politiker und Richter nicht wahrhaben wollten, sagte Tsokos am Donnerstag. „Aber Kindesmisshandlungen finden in Plattenbauten und bei Akademikern statt“, so der Mediziner, der schon mit früheren Büchern über seine Arbeit bekannt wurde. „Uns muss klar sein, dass die, die Kinder verletzen, es immer wieder tun können.“ Seine Kollegin Guddat und er fordern deshalb eine bessere Kontrolle der Jugendämter, engere Verzahnung der Gerichte mit den Medizinern sowie strengere Kontrollen der Problemfamilien.