Unternehmen

Vivantes stellt Strafanzeige gegen Ex-Chef

Der Berliner Klinikkonzern wirft Joachim Bovelet Untreue vor. Es geht um 900.000 Euro für die Einrichtung eines Senioren-Pflegeheims

Der kommunale Krankenhauskonzern Vivantes hat gegen seinen früheren Chef Joachim Bovelet und einen weiteren ehemaligen Topmanager Strafanzeige erstattet. Der Vorwurf lautet auf Untreue im Zusammenhang mit dem Bau eines Seniorenpflegeheims mit 180Plätzen, das die Vivantes-Tochter „Forum für Senioren“ vergangenes Jahr in Spandau in Betrieb genommen hat.

Der frühere Geschäftsführer von Forum für Senioren, Dieter W., ist ebenfalls von der neuen Vivantes-Geschäftsführung angezeigt worden. Das bestätigte eine Sprecherin des Krankenhausunternehmens am Donnerstag. Es geht um einen Schaden von mehreren Hunderttausend Euro.

Wirtschaftsprüfer hatten sich in den vergangenen Monaten viele interne Vorgänge bei Vivantes genauer angesehen, unter anderem auch die Vergabe von Aufträgen und Beschaffung von Materialien. Dabei sind sie auf Ungereimtheiten gestoßen.

Forum-Geschäftsführer W. hatte mit dem Segen Bovelets das neue Senioren-Pflegeheim „Haus Seebrücke“ von einer Vermögensverwaltungsgesellschaft namens Senectus GmbH errichten lassen. Senectus verpachtet das Gebäude für 20Jahre an die Vivantes-Tochter. Diese Konstruktion sei günstig, weil das kommunale Unternehmen nur „beherrschbare Risiken bei der Errichtung sowie beim späteren Unterhalt der Immobilie“ trage, erklärte W. in einer Pressemitteilung im Juni 2012. „Wir können uns ganz auf die Pflege der Bewohner konzentrieren“, hieß es weiter.

Viele offene Fragen

Obwohl Senectus ein schlüsselfertiges Pflegeheim versprochen hatte, gab die Firma einen Teil der Aufgaben an Forum für Senioren als späteren Betreiber ab. Die Möbel und andere Einrichtungsgegenstände sollte die Vivantes-Tochter selbst beschaffen. Dafür sollte sie eine als Betriebskostenzuschuss deklarierte Summe von 900.000 Euro erhalten. Am 2. Juli 2012 gab W. die Bestellung für die Einrichtung ab, nach Überzeugung der heutigen Vivantes-Führung mit dem Segen von Bovelet, der als Konzerngeschäftsführer die Aufsicht über die Tochterfirma hatte.

Bei diesem Möbelkauf gab es nach Ansicht der Prüfer „Auffälligkeiten“, die zur Strafanzeige führten. Die heutige Geschäftsführung von Vivantes ist der Ansicht, die auf diesem Wege beschafften Einrichtungsgegenstände seien deutlich teurer erworben worden, als wenn der Krankenhauskonzern sie selbst auf regulärem Wege beschafft hätte. So hätten etwa die Betten 1250 Euro pro Stück gekostet, es hätte aber auch Betten für rund 800 Euro gegeben. Die Rede ist von einem Schaden in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro.

Möbel für ein Pflegeheim fallen eigentlich unter Investitionskosten und nicht unter Betriebskosten. Zudem ist das Vorgehen ungewöhnlich. Vivantes kaufe nicht einfach so irgendwo Möbel, sondern bekomme von Lieferanten als riesiger Abnehmer mit 5300 Klinikbetten und 13 Pflegeheimen besonders gute Konditionen, heißt es aus informierter Quelle. Die Bestellung von Möbeln für fast eine Million Euro hätte offiziell über die Konzernabteilung Facility Management und Bau erfolgen müssen. Im fraglichen Fall sei der Auftrag sogar nicht einmal ausgeschrieben worden, ein zweites Angebot sei nicht eingeholt worden, lauten die Vorwürfe gegen Bovelet und W. Die Rechnung sei zudem ohne Prüfung freigegeben worden.

Zudem stießen die Prüfer auf weitere offene Fragen. Dazu gehören fast 24.000 Euro für Planungsleistungen an eine Frau, die familiär mit dem Chef des Möbellieferanten verbunden ist. Zudem gehen sie bei Vivantes davon aus, dass W. auch früher sowohl dem Bauherrn Senectus als auch dem Möbellieferanten geschäftlich verbunden gewesen sei.

Bovelet war im Juni vergangenen Jahres aus seinem noch bis 2017 laufenden Vertrag mit dem landeseigenen Krankenhausunternehmen ausgeschieden. Zuvor hatte es Ärger gegeben, weil der Manager zwar auf eigenen Wunsch gehen wollte, aber dennoch eine Abfindung für die ausstehende Laufzeit seines Kontrakts haben wollte. Schließlich verließ Bovelet Vivantes, aber ohne goldenen Handschlag. Inzwischen ist er Hauptgeschäftsführer eines Verbundes kommunaler Kliniken in Franken.

Sowohl Bovelet als auch W. waren am Donnerstag trotz Anfrage über ihre Büros nicht erreichbar.