Gedenken

Digitale Kriegserinnerungen

Noch heute kann jeder Andenken aus dem Ersten Weltkrieg in die Staatsbibliothek bringen

Manchmal findet sich noch etwas im Schrank. In einer Kiste auf dem Dachboden. Eine Medaille des Urgroßvaters aus dem Ersten Weltkrieg oder ein Tagebuch, in den Feuerpausen geschrieben irgendwo in den tiefen Schützengräben Verduns. Briefe, Fotos, improvisiertes Spielzeug, Kleidung, Liederbücher, Plaketten – alles wird gesucht.

Denn beim „Aktionstag“, der noch bis zum heutigen Freitag in der Berliner Staatsbibliothek stattfindet, kann jeder seine Erinnerungsstücke vorbeibringen, damit sie für alle Welt zugänglich werden. „Europeana“ heißt ein einzigartiges Online-Projekt zum Ersten Weltkrieg, das neue Maßstäbe setzt. Denn die Objekte scannen Mitarbeiter des Projekts ein oder fotografieren sie ab. So entsteht nach und nach eine Datenbank – rührende Briefe, die man anklicken und nachlesen kann. Bis jetzt sind schon 80.000 digitale Dateien und 7000 persönliche Geschichten online gestellt worden.

Das EU-geförderte Projekt hält sich nicht an nationale Grenzen – deshalb der Name „Europeana“. Die Erinnerungen aus Deutschland stehen neben denen aus England, Frankreich, Belgien, dem Balkan, Skandinavien, den USA und anderen Ländern. Nach der Digitalisierung nimmt man die Stücke wieder mit nach Hause. Selbst wenn sie danach wieder in der Kiste verschwinden – von jetzt an sind sie Teil einer großen Kriegserinnerung. Und jeder kann sie abrufen.