Frühkritik

„Elektra“ triumphiert in der Philharmonie auf ganzer Linie

Und plötzlich geht ein Ruck durch die Philharmonie. Elektra krallt sich in den Notenständer, bebt am ganzen Körper.

Sie speiht Klytämnestra ihren wildesten Todesfluch ins Gesicht. Der Notenständer landet danach scheppernd im Orchester. Nun sind wirklich alle hellwach. Vor allem die Sächsische Staatskapelle Dresden, das Richard Strauss-Orchester schlechthin. Es schwingt sich erwartungsgemäß doch noch zu großer Form auf. Chefdirigent Christian Thielemann, der seinen Sängern zuvor recht plüschige Teppiche ausgerollt hat, fängt an zu fordern. Er weiß, was er wann von seinen Sängern verlangen kann. Und feiert mit einer phänomenal auftrumpfenden Evelyn Herlitzius einen Sieg auf ganzer Linie. Diese Elektra läutet Richard Strauss' 150. Geburtstag mehr als angemessen ein. Auch wenn dieses Datum eigentlich erst im Juni ist. In Dresden war die Oper am 19. Januar in voller Ausstattung zu erleben, in nahezu identischer Besetzung. Berlin bekam Strauss' Elektra nun im konzertanten Nachschlag geboten. Thielemann sei Dank dafür.