Stadtplanung

US-Investor baut Berlins höchsten Wolkenkratzer

150 Meter, 300 Wohnungen und ein Hotel: Nach einem Entwurf von Star-Architekt Frank O. Gehry beginnt 2015 am Alex der Bau

Nach mehr als 20 Jahren Stillstand ist es jetzt so weit: Auf dem Alexanderplatz in Mitte soll nach dem Entwurf des amerikanischen Star-Architekten Frank O. Gehry das höchste Wohnhaus Berlins entstehen. In dem 150 Meter hohen Turm, der unmittelbar an das Shoppingcenter Die Mitte angrenzen wird, sollen 300 Apartments sowie ein Design-Hotel mit 150 Zimmern entstehen. Mit dem Bau des Hochhauses soll 2015 begonnen werden. „So lange werden wir brauchen, um die Planungen baureif zu machen“, sagte Christoph Reschke, Geschäftsführer des amerikanischen Immobilienunternehmens Hines. Reschke stellte die Hochhauspläne am Montag gemeinsam mit Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher vor.

Als „prägnant und expressiv“ wertete Reschke den Gewinnerentwurf Gehrys, der in Berlin bereits die DZ-Bank am Pariser Platz gestaltet hat. „Der Turm mit seiner exzentrischen, neuartigen Formensprache fügt sich durch seine Fassade aus Naturstein dennoch gut in seine Umgebung ein“, lobte auch die Senatsbaudirektorin den Entwurf. Der Turm weist wie ein Kleeblatt angeordnete Flügel auf, die jeweils in der neunten und in der 27. Etage ineinander verdreht sind. Wie die benachbarten denkmalgeschützten, Anfang der 1930er-Jahre fertiggestellten Bürogebäude Berolina und Alexander wird die Fassade mit hellem Naturstein verkleidet. Durch die Balkone in den Wohnetagen wird die Hülle des Turmes zusätzlich aufgelockert.

Die Balkone in luftiger Höhe seien indes keine gestalterische Spielerei, sondern schlichte Notwendigkeit, betonte Reschke: „Eigentumswohnungen ohne Balkone zu vermarkten macht keinen Sinn.“ Die Investitionskosten des Gebäudes mit einer Gesamtfläche von 48.000 Quadratmetern liegen nach Angaben des Bauherrn bei 200 bis 250 Millionen Euro. Wie hoch der Verkaufspreis für die Wohnungen sein soll, sei noch unklar, so der Hines-Chef weiter. Fest stehe nur, dass die Wohnungsgrößen äußerst flexibel sein sollen. Die kleinsten Apartments werden demnach 40 Quadratmeter messen. Eine Begrenzung nach oben nannte Reschke nicht.

Der Gehry-Tower wird das erste Hochhaus, das nach dem geltenden Masterplan, den der Architekt Hans Kollhoff bereits 1993 entwickelt hatte, auf dem Alexanderplatz gebaut werden soll. Demnach sollten rund um den Platz bis zu zehn solcher 150-Meter-Türme entstehen. Zum Vergleich: Das 1970 fertiggestellte „Park Inn“-Hotel auf dem Alex, bislang noch Berlins höchstes Hochhaus, misst 125 Meter. Das 2011 von einem Nobelhotel bezogene Zoofenster am Breitscheidplatz bringt es auf 118 Meter. Und das im Bau befindliche Upper-West, das ebenfalls am Breitscheidplatz in der City-West errichtet wird, soll 119 Meter hoch werden.

Die Chancen, dass die von Kollhoff vorgesehenen zehn Türme auch tatsächlich gebaut werden, sind jedoch gering. Denn um Platz für die Türme am Alexanderplatz zu schaffen, hatte der Architekt den Abriss zahlreicher, inzwischen oft aufwendig sanierter Gebäude aus DDR-Zeiten vorgesehen. Da diese Gebäude, die unterschiedlichsten Eigentümern gehören, zum Großteil langfristig vermietet sind, wäre ihr Abbruch ohnehin erst in vielen Jahren denkbar.

Zwar wolle sie den Hochhausstandort am Alexanderplatz nicht infrage stellen, betonte Lüscher am Montag. Doch der Masterplan müsse entsprechend überarbeitet werden, damit bestehende Gebäude dauerhaft in die Planungen einbezogen werden könnten. „Den Auftrag dafür muss uns allerdings das Abgeordnetenhaus geben“, ergänzte die Senatsbaudirektorin.