Stadtplanung

Hamburg will Olympiabewerbung mit Berlin

Vorschlag für Sommerspiele in beiden Städten. Sportsenator offen für gemeinsame Bewerbung

Hohe Kosten, wenig Gewinn – Olympische Spiele sind für eine Stadt mitunter ein Wagnis. Aber was wäre, wenn sich zwei Städte das Risiko teilen? Diesen Vorschlag macht der Hamburger Sportsoziologe und ehemalige Sportamtsdirektor Hans-Jürgen Schulke. Seine Idee: Hamburg und Berlin sollten sich gemeinsam um die Austragung Olympias bewerben. Die vorhandenen Ressourcen könnten in dieser Konstellation optimal genutzt und die Ausgaben dramatisch gesenkt werden, so Schulke. In beiden Städten seien zudem alle notwendigen Sportstätten vorhanden und wettkampferprobt, teure Neubauten könnten vermieden werden. „Zwischen Hamburg und Berlin liegen momentan gerade 100 Zugminuten, in zehn, 14 Jahren vielleicht nur noch 60, das sollte logistisch kein Problem sein.“

Bislang bestand das Internationale Olympische Komitee (IOC) darauf, die Spiele in einer Stadt oder Metropolregion auszurichten, Flächenkonzepte wurden abgelehnt. Diese Vorgabe könnte sich ändern, weil das IOC erheblichen Reformbedarf sieht. Die Vorbehalte der Bürger gegen Olympische Spiele hatten sich gerade in Europa gehäuft, zuletzt hatte Stockholm seine Kampagne für die Winterspiele 2022 eingestellt.

Schulkes Idee klingt revolutionär, sie wird nach Morgenpost-Informationen aber längst zwischen Politikern und Wirtschaftsrepräsentanten aus Hamburg und Berlin erörtert. Öffentlich sollen diese Überlegungen erst werden, wenn das IOC solchen Bewerbungsplänen Raum gibt. Insider rechnen mit grundlegenden Änderungen in der Ausschreibung erst für 2028, eher für 2032. Berlins Sportsenator Frank Henkel (CDU) steht solchen Gedankenspielen jedenfalls offen gegenüber. „Berlin wäre immer in der Lage, Olympische Spiele auszurichten, es muss aber der Sport entscheiden, mit welcher Stadt er ins Rennen geht“, sagte ein Sprecher Henkels. Zuletzt hatte der Präsident des Landessportbundes, Klaus Böger (SPD), eine Olympiabewerbung der Hauptstadt für 2024 ins Spiel gebracht. Allerdings sei dafür eine breite Diskussion nötig. Zudem müsse eine Bürgerbefragung Klarheit bringen, ob alle Berliner eine Bewerbung wollen.