Karaseks Woche

Der Verlierer des Jahres

Wie sich Jörg Kachelmann selbst zerstörte

Vor Gericht und auf hoher See ist man immer in Gottes Hand“ – diesen Spruch hätte sich Jörg Kachelmann nach seinem Freispruch zu Herzen nehmen sollen. Stattdessen hat er, dessen Geschichte eigentlich niemand mehr auch nur mit der Beißzange in die Hand nehmen wollte, zum zweiten Mal gegen seine Ex-Geliebte prozessiert.

Vorgeblich, um das Geld für ein Gutachten zurückerstattet zu bekommen (13.000 Euro). In Wahrheit war es aber wohl , um seinen Rachegefühlen als „verfolgende Unschuld“ (Karl Kraus) zu genügen und die seitdem aus der seelischen Bahn Geworfene, die zumindest schon Beziehungsopfer ist, noch weiter öffentlich zu demütigen.

Jetzt ist dieser Versuch, im Zivilprozess anders als im Strafprozess eindeutig zu triumphieren, zunächst gescheitert. Sein Ansehen hat Kachelmann schon mehrfach nach dem Prozessende im Mai 2011 in der Öffentlichkeit eher ruiniert als rehabilitiert. Dabei hatte er viele Chancen. Zuerst in einem langen „Zeit“-Interview, das ihm großzügig viel Platz gab, um sich darzustellen, und das zu einem Unsympath-Selbstporträt floppte. Dann bei Günther Jauch, wo er zusammen mit seiner Lebensgefährtin jegliche Chance zur Sympathiewerbung verspielte. Ebenso sein Buch, das ihm wenigstens Bestseller-Genugtuung einbringen sollte, was aber dank der holzig trotzigen Wut, die keinerlei Gefühl offenbarte, missriet. Neben Bettina Wulffs Versuch, ihr Bild nach dem Rücktritt ihres Mannes zurechtzurücken, war es das zweite Promi-Bekenntnisbuch, das wie ein Bumerang auf den Autor zurückschlug.

Es wurde still um Kachelmann. Doch statt diese Stille zu nutzen, drängte er sich in den Zivilprozess wie ein Lemming, der den Sturz über den Katarakt herbeisehnt, nur um Claudia D. erneut einer demütigenden Vorführung auszusetzen.

Wer weiß, vielleicht orientierten sich Kachelmann und seine juristischen Berater auch an einem berühmten amerikanischen Vorbild, dem Prozess gegen O.J. Simpson, der in einem Strafprozess vom Vorwurf des Mordes freigesprochen wurde, um in einem folgenden Zivilprozess der Ermordung seiner Ehefrau für schuldig befunden und mit finanziellen Entschädigungskonsequenzen bestraft zu werden.

Ein Ziel hat Kachelmann erreicht. Die längst darniederliegende Ex-Geliebte sagt, sie würde sich nicht noch einmal einer solchen Prozedur durch eine Anzeige aussetzen. Nur: Für Kachelmann ist es nicht einmal ein Pyrrhussieg, sondern eine klare Niederlage.

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost