Flughafen

Berlin: Hunderte Ausnahmen vom Nachtflugverbot

Nach 23 Uhr gibt es in jeder Nacht mindestens vier Flüge. Anwohner fordern den Umzug einiger Airlines auf den Flughafen Schönefeld

– Nächtliche Starts und Landungen am Flughafen Tegel belasten Hunderttausende Anwohner immer stärker, seit die Eröffnung des neuen Flughafens BER auf unbestimmte Zeit verschoben worden ist. Trotz des Flugverbots zwischen 23 Uhr und 6 Uhr morgens gab es dem Senat zufolge in dieser Zeit von Jahresbeginn 2013 bis Mitte November mehr als 1200 Starts und Landungen. Der Flugroutenradar der Berliner Morgenpost weist in Tegel exakt 1248 An- und Abflüge in der Nacht aus. Das entspricht pro Nacht knapp vier Flügen. Eigentlich herrscht in Tegel aber anders als am alten Flughafen Schönefeld im Berliner Süden ein Nachtflugverbot für den regulären Linienverkehr.

Nach den vorliegenden Daten hat sich die Zahl der nächtlichen Flugbewegungen deutlich erhöht. Nach früheren Angaben des Senats gab es zwischen Juni 2012 und Februar 2013 im Durchschnitt 82 dieser Nachtflüge pro Monat. In der Gesamtschau des Jahres 2013 bis November stieg die durchschnittliche Zahl der Flüge auf 109 monatlich. Gut jeder zweite dieser Flüge entfiel auf Post, Ambulanz, Militär oder Polizei, die von dem Verbot ausgenommen sind. Allein die Postflüge sorgen für 40 nächtliche Flugbewegungen pro Monat. Die übrigen Starts und Landungen müssen von der Luftaufsicht am Flughafen oder von der Oberen Luftfahrtbehörde genehmigt werden. „Wir sehen unsere Praxis bei der Zulassung von Ausnahmegenehmigungen von den Nachtflugbeschränkungen als ausreichend restriktiv an“, hieß es aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Die meisten Nachtflüge gab es in der Zeit von 23 Uhr bis Mitternacht. In dieser Stunde zählt die Statistik allein 559 Starts und Landungen, die nicht von der Ausnahmeregel gedeckt sind. Dabei handelt es sich in der Regel um verspätete Flieger, die doch noch heraus- oder hereingelassen werden. Um diese Erlaubnis zu bekommen, muss die Fluggesellschaft jedoch nachweisen, dass sie nicht die Schuld trägt, dass der Flugplan durcheinander geraten ist. In der Stunde davor zwischen 22 und 23 Uhr gab es in Tegel im fraglichen Zeitraum 5547 Starts und Landungen, knapp 17 am Tag. Verspätungen nach 23 Uhr genehmigt nach Senatsangaben die Luftaufsicht am Flughafen Tegel, nach 23.30 Uhr muss zudem die Oberste Luftfahrtbehörde zustimmen.

Anwohner wie die Bürgerinitiative „Tegel endlich schließen“ kritisieren seit Langem die Ausnahmen. Die Gesundheit zahlreicher Berliner in Spandau, Reinickendorf und Pankow werde aufs Spiel gesetzt. Der Reinickendorfer SPD-Abgeordnete Jörg Stroedter führt die gestiegene Zahl der Nachtflüge auch auf den „voll gestopften Flugplan“ in TXL zurück: „So müssen immer mehr Flüge in die Randzeiten gedrängt werden“, so der SPD-Fraktionsvize im Abgeordnetenhaus. Um die Anwohner im Berliner Norden zu entlasten, fordert Stroedter zwei Maßnahmen. Zunächst müssten die Postflüge nach Schönefeld verlagert werden, wo es kein Nachtflugverbot gibt. Logistisch spreche nichts dafür, die Flüge in Tegel abzuwickeln. In Schönefeld gibt es etwa doppelt so viele Nachtflüge wie in Tegel.

Weiterhin müsse Flughafenchef Hartmut Mehdorn dafür sorgen, möglichst viele Fluglinien rasch zu einem Umzug auf den nicht ausgelasteten Flughafen Schönefeld zu bewegen, um Tegel zu entlasten. Notfalls müsse man den Kunden in Schönefeld die Landegebühren erlassen.

Mehr zu den Flügen über Berlin unter http://flugroutenradar.morgenpost.de