„Länger arbeiten, mehr sparen“

OECD warnt vor Altersarmut. Risiko in Deutschland ist besonders hoch

Geringverdiener sind in Deutschland stärker als in vielen anderen Staaten von Altersarmut bedroht. Dies geht aus dem neuen OECD-Rentenbericht hervor, der die Entwicklung in 27 wichtigen Industrieländern vergleicht. Besonders für Menschen, die nicht ihr ganzes Leben durchgängig voll gearbeitet haben, wird es immer schwieriger, mit dem Geld aus der Rentenversicherung über die Runden zu kommen, heißt es in dem Bericht. Zudem sei die Wahrscheinlichkeit gering, dass Menschen mit niedrigem Einkommen privat Altersvorsorge betreiben können.

Wer nur die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens verdient, wird im Alter netto auch nur noch 55 Prozent seiner heutigen Bezüge erhalten. Das sei weniger als in allen anderen Industrienationen, rechnet der Rentenbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vor. Ein Grund dafür ist die Abhängigkeit der Rentenhöhe von Versicherungsjahren und Beitragshöhe in Deutschland. Andere Staaten hätten bei der Alterssicherung Umverteilungssysteme zugunsten von Geringverdienern eingeführt. In der Bundesrepublik waren diese Anfang der 90er-Jahre abgeschafft worden.

Für künftige Rentner gelte aber auch in anderen Nationen die Formel: „Länger arbeiten, mehr sparen.“ Die Wirtschaftskrise habe in der Mehrzahl der OECD-Mitgliedsländer Reformen der Alterssicherung beschleunigt. Fast in allen Ländern sei das Renteneintrittsalter nach hinten verschoben worden. 67 Jahre seien als Zielzahl inzwischen in den meisten Staaten Standard. Zugleich würden künftigen Rentnergenerationen fast überall nur noch niedrige Einkommen versprochen.

Zudem wurde bekannt, dass der Anteil der Hartz-IV-Empfänger an der Gesamtbevölkerung im Dezember 2011 in Berlin bundesweit am höchsten gewesen ist. 20,3 Prozent der in der Hauptstadt lebenden Menschen unter 65Jahren bezogen das ArbeitslosengeldII oder Sozialgeld, wie aus dem Datenreport für 2011 hervorgeht. Bundesweit waren es durchschnittlich rund 9,4 Prozent.