Karaseks Woche

Kratzbürsten der Elbphilharmonie

Wo der Ton die Musik macht, kann es teuer werden

Von Martin Luther stammt die Einsicht „Aus einem verzagten Hintern kommt kein fröhlicher Furz.“ Der Satz wurde jetzt wieder auf dem SPD-Parteitag von Stephan Weil, dem niedersächsischen Ministerpräsidenten, vor den verzagten Delegierten zitiert.

Bei mir hat Luthers Erkenntnis allerdings eine andere Assoziation ausgelöst: Nämlich die an eine 292 Euro teure Klobürste, die die Planer der Hamburger Elbphilharmonie dem Steuerzahler zumuten wollten. Sollten die Konzertbesucher, der Ton macht schließlich die Musik, auch in der Pause hinterrücks fröhlich gestimmt werden? Es ist bei dem teuren Bau dann nicht ganz so teuer gekommen. Die Kratzbürsten wurden auf vergleichsweise bescheidene 41,95 Euro reduziert. Aber vielleicht wird es auch das nicht kosten, haben doch inzwischen einige in den Parteien Verantwortliche den Gedanken ins Auge gefasst, den Bau von vornherein als Ruine zu planen. Wie den Turm zu Babel, den Berliner Flughafen und vielleicht auch Stuttgart 21. Ruinen, das lehren die Überreste in Athen, Rom und beim Heidelberger Schloss, sind besondere Touristenattraktionen. Könnte man die öffentliche Nutzung der Toiletten nicht günstig verpachten, damit nicht der Steuerzahler für Klobürsten aus Elfenbein gerade stehen muss?

Mich hat an Toiletteneinrichtungen in Konzertsälen und Theatern eigentlich bisher nicht so sehr der Preis der Bürste besonders fasziniert, sondern das Fehlen einer gerechten Quote. Während beispielsweise in der Pause vor den Damentoiletten kilometerlange Schlangen stehen, haben Männer hier eindeutig einen Vorteil. So könnte man, statt Hunderte teurer Klobürsten anzuschaffen, die Damentoiletten eindeutig vergrößern und hätte damit Alice Schwarzer eine weitere Initiative erspart.

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost