Gesundheit

Zahl der Tbc-Fälle in Berlin steigt

Tuberkulose breitet sich derzeit auch in Brandenburg aus. Hunderte Menschen werden getestet

Die Tuberkulose breitet sich in der Region Berlin-Brandenburg wieder aus: Nach dem Bekanntwerden der Tbc-Fälle in Brandenburg müssen mehr als 300 Kontaktpersonen getestet werden. In Eisenhüttenstadt wurde bei acht Asylbewerbern in der Zentralen Erstaufnahmestelle eine ansteckungsfähige Tuberkuloseerkrankung festgestellt. Alle Erkrankten – drei Erwachsene und fünf Kinder aus Tschetschenien – befinden sich derzeit in einer Spezialklinik in Berlin. Auch in Berlin steigt die Zahl der Tbc-Fälle in diesem Jahr spürbar an.

Auch bei einer Lehrerin an der Sportschule in Frankfurt (Oder) wurde eine offene ansteckende Tuberkulose gemeldet. Dieser Fall und die Erkrankungen in Eisenhüttenstadt stehen nach Angaben des brandenburgischen Gesundheitsministeriums offenbar nicht in Zusammenhang. Dass die in Deutschland lange als ausgestorben betrachtete Erkrankung Tbc in Einzelfällen wieder auftreten kann, ist nicht neu. Besonders alarmierend an diesen Ausbrüchen jedoch ist, dass die Erkrankten jeweils eine große Anzahl an Kontaktpersonen hatten. Die Krankheit kann sich relativ leicht über Tröpfcheninfektion ausbreiten, deshalb müssen die Gesundheitsämter vor Ort umgehend tätig werden, um Epidemien zu vermeiden. Brandenburgs Innenministerium meldete, dass in dem Asylbewerberheim in Eisenhüttenstadt 136 mögliche Kontaktpersonen untersucht wurden. Bis zum Ausschluss einer Ansteckung sei die Verteilung der Asylbewerber aus der Aufnahmestelle auf andere Landkreise vorerst teilweise gestoppt. Diese Anweisung wird voraussichtlich bis zum 18. Dezember gelten. Bis dahin sollen weitere Untersuchungsergebnisse vorliegen.

Auch in Berlin wächst die Angst vor Ansteckung. Hier sind nach Angaben der Senatsverwaltung für Gesundheit vier Personen an offener TBC erkrankt – und die Tendenz ist steigend. In diesem Jahr gab es bereits 309 Fälle von offener Tuberkulose. Auf 100.000 Einwohner kommen damit 8,9 Neuerkrankungen. In fünf Fällen verlief die Krankheit in diesem Jahr tödlich. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren 281 TBC-Erkrankungen registriert worden.

In den Berliner Flüchtlingsheimen sei Tbc bisher kein großes Problem. Alle Asylbewerber würden nach ihrer Ankunft vom Zentrum für tuberkulosekranke und -gefährdete Menschen in Lichtenberg getestet. Von den mehr als 300 Erkrankungen in diesem Jahr seien nur zwei Fälle bei Asylbewerbern in Flüchtlingsheimen festgestellt worden. Für einen Ausbruch vergleichbar den Brandenburger Fällen in Eisenhüttenstadt gebe es in Berlin zurzeit keine Hinweise. In ganz Deutschland wurden im Jahr 2011 rund 4300 Neuerkrankungen bekannt.

In Frankfurt (Oder) wurden unterdessen die Eltern informiert, um alle Kontaktpersonen der Lehrerin zu ermitteln. „Wir gehen davon aus, dass wir etwa 200 Personen untersuchen müssen“, sagte die Sprecherin des Gesundheitsamtes in Frankfurt (Oder) am Donnerstag. Die betroffenen Schüler und Lehrer sollen zunächst per Bluttest untersucht werden. Dadurch kann man nachweisen, ob die Menschen mit Tuberkulosebakterien in Kontakt waren. Um die Erkrankung zu belegen, müssten dann Röntgenaufnahmen von der Lunge gemacht werden, so die Sprecherin. Wo sich die Lehrerin, die im Landkreis Oder-Spree wohnt, angesteckt haben könnte, ist nicht bekannt. In dem betroffenen Flüchtlingsheim, in dem auch Lehrer für den Deutschunterricht eingesetzt werden, soll sie nicht gearbeitet haben. Insgesamt gab es in Brandenburg laut Gesundheitsministerium in diesem Jahr bisher 84 TBC-Erkrankungen. Die Tendenz sei insgesamt aber rückläufig.