Verkehr

Tunnel gesperrt: 80.000 Fahrgäste der S-Bahn müssen umsteigen

Neue Großbaustelle in Mitte – Auch auf den Berliner Straßen wird an immer mehr Stellen gebaut

Die Geduld der Berliner ist gefragt: Bei der S-Bahn beginnen die Arbeiten an der nächsten Großbaustelle, auch auf immer mehr Straßen werden Baustellen eingerichtet – und all dies kurz vor Beginn des Winters.

Die Fahrgäste der Berliner S-Bahn müssen sich noch einmal auf Probleme einstellen. Einer der am meisten genutzten Abschnitte im gesamten Netz wird von Freitag an für mehr als zwei Wochen voll gesperrt. Auf dem Tunnelabschnitt der Nord-Süd-Linien sind an Werktagen durchschnittlich 80.000 Fahrgäste unterwegs. Sie müssen sich nun andere Routen durch die Stadt suchen oder auf Ersatzbusse umsteigen. Von Freitagabend, 22 Uhr, bis Betriebsbeginn am 9. Dezember wird der S-Bahn-Verkehr zwischen den Stationen Nordbahnhof und Anhalter Bahnhof unterbrochen. Betroffen sind die Linien S1 (Oranienburg–Potsdam), S2 (Bernau–Blankenfelde) und S25 (Hennigsdorf–Teltow Stadt). Für 2,1 Millionen Euro erneuert die Bahntochter DB Netz insgesamt 15.000 Meter Schienen. „Durch die engen Kurven, das große Gefälle und die extreme Belastung von bis zu 36 Zügen pro Stunde sind die Gleise nach 20 Jahren so abgenutzt, dass sie dringend erneuert werden müssen“, sagte Projektleiter Ulrich Burkhardt am Dienstag. Die S-Bahn rät zur weiträumigen Umfahrung über den westlichen S-Bahn-Ring oder mit den U-Bahn-Linien U6, U7, U8 und U9. Zwischen Gesundbrunnen und Südkreuz können Fahrgäste auch auf Regionalzüge ausweichen. Zwischen Nordbahnhof und Anhalter Bahnhof fahren Ersatzbusse, doch wegen der zahlreichen Baustellen in der Innenstadt sind sie wohl deutlich länger unterwegs.

Für den Berliner Fahrgastverband Igeb ist vor allem ärgerlich, dass der S-Bahn-Tunnel bereits im kommenden Jahr erneut gesperrt werden muss. Um Weichen zu erneuern, werden dann wieder wochenlang keine Züge fahren. Die Arbeiten an Gleisen und Weichen in einer einzigen Sperrpause zu erledigen war nach Angaben der Bahn wegen der langen Planungsphasen nicht möglich.

Doch nicht nur die Nutzer der S-Bahn, auch Berlins Autofahrer müssen aktuell viel Geduld haben. In der Stadt zählt der ADAC derzeit rund 90 Großbaustellen. Dass kurz vor dem Winter auf so vielen Abschnitten gebaut wird, ist für viele Autofahrer ein Ärgernis. Eines, das sich nach Angaben von ADAC-Verkehrsexperte Jörg Becker vermeiden ließe. Er fordert von der Politik, die Mittel für den Straßenbau früher als bisher – nämlich zum Anfang jedes Jahres – freizugeben. Bislang steht das Geld oft erst im Frühjahr oder später zur Verfügung. Die Folge laut Becker: „Nach erfolgter Planung und Ausschreibung kann das Geld dann erst gegen Jahresende verbaut werden kann. Gerade dann, wenn der Winter wieder vor der Tür steht.“

Um das Chaos auf ein Minimum zu reduzieren, fordert der ADAC Berlin-Brandenburg, die Bauzeit zu verkürzen. So sollen die Arbeiten auch am Wochenende weitergehen. „Zudem halten wir in verkehrstechnisch wichtigen Bereichen die Arbeit in einem Zweischichtensystem von 6 bis 22 Uhr für erforderlich“, sagte Becker. Wo es möglich ist, sollte bei winterlichen Baupausen zudem die Fahrbahndecke provisorisch geschlossen und freigegeben werden. Mit Tempo 30 sei eine Befahrung abgefräster Straßen teilweise durchaus machbar. „Ansonsten drohen uns Riesenstaus, wenn die ersten Schlaglöcher für weitere Einschränkungen sorgen“, sagte Becker.