Start-ups

Berlin soll Europas größte Gründermetropole werden

Studie: Start-ups schaffen 100.000 Stellen in der Hauptstadt. Gründercampus in Tempelhof geplant

Eine zentrale Anlaufstelle für Gründer innovativer Unternehmen, ein mit 100 Millionen Euro ausgestatteter Fonds zur Wachstumsförderung von Start-ups und ein zentraler Campus für neue Firmen – unter diesen Voraussetzungen könnte Berlin zu Europas führender Gründermetropole werden und in einigen Jahren London, Paris und Moskau überholen. Diese Prognose trifft eine am Montag in Berlin vorgelegte Studie der Unternehmensberatung McKinsey. Im Europavergleich der Gründermetropolen liegt Berlin derzeit auf Platz fünf, weltweit auf Platz 15.

Durch Gründungsinitiativen könnten der Studie zufolge bis zum Jahr 2020 mehr als 100.000 neue Arbeitsplätze entstehen – 40.000 in den innovativen Branchen selbst und 60.000 dadurch, dass jeder neue Arbeitsplatz in einer hochproduktiven Branche Basis für zwei bis drei weitere Stellen ist. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste die Zahl der Gründungen steigen, die Liquidationsquote sinken und das Mitarbeiterwachstum in Start-ups beschleunigt werden.

Zugleich benötigen die Berliner Grünen mehr Investorenkapital, so McKinsey. Davon könnten innovative Unternehmen vor allem in ihrer Wachstumsphase profitieren, wenn sie Beträge zwischen einer und zehn Millionen Euro benötigen. In dieser Phase haben Berliner Start-ups gegenüber Gründern in den anderen Start-up-Metropolen einen Wettbewerbsnachteil. Berliner Jungunternehmen schließen im Durchschnitt Investitionsrunden über 2,4 Millionen Euro ab. Gründer in London erhalten in dieser Phase durchschnittlich doppelt so viel (5,1 Millionen Euro). Im Silicon Valley fließen sogar 7,4 Millionen Euro. Wagniskapitalgeber investierten im Jahr 2012 in Berlin insgesamt 133 Millionen Euro – vor allem Beträge unter einer Million Euro in junge Start-ups und Summen von mehr als zehn Millionen Euro in gereifte Unternehmen.

Aushängeschild der Gründermetropole könnte ein Start-up-Campus in Gebäuden auf dem Flughafen Tempelhof werden. Dort könnten Büros für Technologie-Start-ups entstehen und die geplante zentrale Anlaufstelle (Delivery Unit) angesiedelt werden. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) begrüßte diesen Vorschlag. „Gemeinsam mit den Wirtschaftsfördereinrichtungen, Kammern, Verbänden, etablierten Unternehmen und den Start-ups werden wir uns mit aller Kraft einsetzen, die führende Start-up-Metropole Europas zu werden“, sagte Wowereit.

Die Industrie- und Handelskammer begrüßte die Ankündigung. „Es ist ungemein wichtig, dass Klaus Wowereit das Thema an sich gezogen hat und dabei alle Partner mit ins Boot genommen wurden. Jetzt gilt es, den Worten Taten folgen zu lassen“, sagte Jan Pörksen, Geschäftsführer Existenzgründung. „Je schneller sie ihre Arbeit beginnen wird, desto besser für den Standort.“