Nahverkehr

Kein Personal: Berliner S-Bahn muss Fahrbetrieb einschränken

Zugausfälle und Pendelverkehr wegen nicht besetzter Stellwerke. Vertragsstrafen drohen

Der latente Personalmangel in den Stellwerken der Deutschen Bahn hat jetzt auch die Berliner S-Bahn erreicht. In mindestens zwei Fällen kam es in den vergangenen Tagen zu erheblichen Betriebseinschränkungen im Zugverkehr, weil die S-Bahn ihre regionalen Zentralen zur Steuerung von Signalen, Weichen und Schranken über Stunden hinweg nicht besetzen konnten.

Die dadurch bedingten Zugausfälle und Pendelverkehr verschärfen zudem das Pünktlichkeitsproblem der S-Bahn. So sind im August nur 94 Prozent ihrer Züge ohne Verspätung gefahren, wobei ein Zug erst dann als verspätet gewertet wird, wenn seine Ankunft vier Minuten oder mehr vom Fahrplan abweicht. Trotz spürbarer Verbesserungen gegenüber den Vorjahren konnte die S-Bahn noch in keinem Monat des Jahres 2013 die im Verkehrsvertrag verankerte Zielmarke von 96 Prozent erreichen. Das bekommt das Unternehmen auch finanziell zu spüren: So hat der Berliner Senat seit Jahresbeginn Vertragsstrafen in Höhe von insgesamt 7,7 Millionen Euro verhängt. Der Personalmangel in den Stellwerken ist kein besonderes Problem der Berliner S-Bahn. Schon seit Jahren fehlen der Deutschen Bahn und ihrer Tochter DB Netz qualifizierte Mitarbeiter speziell im sensiblen Bereich der Steuerung der Signal- und Sicherungstechnik. Der Mangel an Fahrdienstleitern sorgte im Sommer bundesweit für Schlagzeilen, als die Bahn wegen Krankheit und Urlaub der Mitarbeiter das Stellwerk am Mainzer Hauptbahnhof nicht mehr ausreichend besetzen konnte und die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt zeitweise vom Fernverkehr abgekoppelt war.

Die Probleme bei der Berliner S-Bahn sind in ihrem Ausmaß mit denen in Mainz nicht vergleichbar. Doch zuletzt gab es mehrere Vorfälle. Am 10. September fuhr auf der Linie S2 von 22 Uhr bis 1.30 Uhr zwischen Berlin-Buch und Bernau nur noch alle 40 Minuten ein Pendelzug. Der Fahrplan sieht einen 20-Minuten-Takt vor. In der Nacht zum vergangenen Dienstag musste die S-Bahn auch auf der Linie S3 für sieben Stunden einen außerplanmäßigen Pendelverkehr einrichten. In beiden Fällen hatten sich die Fahrdienstleiter kurzfristig krankgemeldet, die Stellwerke in Zepernick und Wilhelmshagen blieben unbesetzt. Schon vor einigen Wochen hatte die S-Bahn den Verkehr auf der Strecke Buch–Bernau stundenlang komplett einstellen müssen, weil ein Stellwerk nicht besetzt werden konnte. Auch auf der S5 sollen zwischen Strausberg und Strausberg-Nord vor einiger Zeit aus demselben Grund keine Züge gefahren sein.

Bei der S-Bahn ist das Problem bekannt. S-Bahn-Chef Peter Buchner räumte ein, dass die Personalausstattung bei Fahrdienstleitern „insgesamt sehr knapp“ sei. Das Unternehmen habe bereits 2012 „einen Nachsteuerungsbedarf“ erkannt und Ausbildungslehrgänge beim Bahnkonzern angemeldet. Ein erster Lehrgang konnte im Juli abgeschlossen werden, so Buchner, weitere zwei seien noch im Gang. Insgesamt 39 neue Fahrdienstleiter sollen nach bestandener Prüfung die Lage stabilisieren. Es bestehe jedoch weiterhin ein Risiko, dass bei kurzfristigen Ausfällen nicht sofort Ersatz zur Verfügung steht. Weil Fahrdienstleiter besondere Streckenkenntnisse haben müssen, können nicht ohne Weiteres Mitarbeiter aus anderen Dienststellen einspringen.