Frühkritik

„Sommernachtstraum“: Ziemlich gruselig und nicht ganz jugendfrei

Kein Buh fällt am Ende in der Komischen Oper. Was erstaunlich ist.

Denn dieser „Sommernachtstraum“ ist ziemlich gruselig. Und das mit voller Absicht: Regisseur Viestur Kairish bekennt sich dazu, Shakespeare beim ersten Lesen nicht verstanden zu haben. Er bringt seine eigene von Kinofilmen gespeiste Fantasiewelt auf die Bühne, viele Teddybären, ein greiser Feenchor und tolpatschige Erwachsene in Kinderklamotten gehören dazu. Keiner passt zu dem, was er ist. Von Liebe kein Spur. Dagegen gibt es einige theatralische Geilheiten: Wie intensiv sich die verzauberte Titania um Zettels riesiges Gemächt kümmert, das ist nicht mehr jugendfrei. Es ist eine Winternacht, die am Ende mit viel Buntheit erlöst werden soll. Das zieht sich ebenso hin wie die von Kristiina Poska zelebrierte Klangwelt des Benjamin Britten. Abgründe im Breitbandformat, die Sänger ziehen mit. Es ist ein Abend mit ganz eigener Poesie.