Medizin

Charité ist sauber

Kommission legt Untersuchungsbericht zum Organspendeskandal vor

Monatelang war das Ausmaß des Organvergabeskandals in Deutschland unklar – jetzt hat die Prüfungs- und Überwachungskommission von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen lange erwartete Zahlen auf den Tisch gelegt. Nur an fünf Krankenhäusern haben die Kontrolleure keine Beanstandungen verzeichnet: an der Charité in Berlin sowie an den Universitätskliniken in Hamburg-Eppendorf, Hannover, Magdeburg und Würzburg.

In vier von 24 Lebertransplantationszentren in Deutschland hat es in den Jahren 2010 und 2011 hingegen schwerwiegende und systematische Manipulationen bei der Organvergabe gegeben. Das geht aus dem Kontrollbericht hervor, den die Bundesärztekammer (BÄK) am Mittwoch vorstellte. Die Prüfungskommission von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen habe daneben in einigen Kliniken auch grenzwertige Verstöße durch Flüchtigkeits- und Dokumentationsfehler gefunden, erklärte die Vorsitzende der Prüfungskommission, Anne-Gret Rinder.

Unter den vier Zentren befinden sich die bereits wegen ihrer Verstöße bekannten Kliniken in Göttingen, Leipzig und München sowie das Lebertransplantationsprogramm der Universitätsklinik Münster. In Leipzig und München ermittelt die Staatsanwaltschaft. In Göttingen steht gegenwärtig der frühere Leiter der Transplantationsmedizin vor Gericht. Hinzu kommen nun systematische Verstöße in Münster. Im Transplantationszentrum der Uniklinik Regensburg, das ebenfalls unter Manipulationsverdacht steht, liegen die Verdachtsfälle vor den beiden geprüften Jahren 2010 und 2011.

In den Prüfungsjahren sind nach Angaben der Kommission 2300 Lebertransplantationen vorgenommen worden. Die Prüfer haben fast 1200 Krankenakten kontrolliert. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass in Göttingen, Leipzig, München und Münster systematisch und bewusst Krankendaten gefälscht worden sind, um Patienten auf der Warteliste nach oben zu schieben. Sie wurden durch Manipulation ihrer Laborwerte oder falsche Angaben zur Notwendigkeit von Dialysen kränker gemacht, als sie waren. In Münster wurden 25 Richtlinienverstöße bei 67geprüften Fällen festgestellt.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, sagte, die Motive für die Manipulationen seien im Wettbewerbsstreben einzelner Krankenhäuser zu suchen und auch im vermeintlichen Streben nach Ruhm und Ehre. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte einen Organspende-Beauftragten des Bundestages.