Konjunkturbericht

Zehntausende neue Jobs für Berlin

Vor allem Handel, Tourismus und Gründer schaffen 28.400 zusätzliche Stellen in einem Jahr

Trotz einiger Eintrübungen bleibt die Berliner Wirtschaft eine Jobmaschine. 28.400 zusätzliche Arbeitsplätze sind im Verlauf der vergangenen zwölf Monate in der Hauptstadt entstanden. Im Juni hatten 1,219 Millionen Menschen eine sozialversicherungspflichtige Stelle. Mit dem Anstieg von 2,4 Prozent entwickelte sich Berlin doppelt so gut wie der Bundesdurchschnitt. In keinem Bundesland wurden relativ gesehen mehr Jobs neu geschaffen als in Berlin. „Dies unterstreicht die hohe Dynamik am Wirtschaftsstandort Berlin“, sagte Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU), deren Haus am Mittwoch den Konjunkturbericht für das zweite Quartal 2013 vorlegte.

Das starke Jobwachstum führte dazu, dass neben Stellenbesetzungen von außerhalb auch Berliner profitierten. Im August waren in der Hauptstadt 210.900 Personen arbeitslos, was einer Arbeitslosenquote von 11,7 Prozent entsprach. Ein Jahr zuvor waren es 12,2 Prozent. Dabei war nicht alles Gold in den Branchen der Hauptstadt. Der Industrie bescheinigen Yzers Beamte zwar eine „insgesamt robuste Verfassung“. Dennoch trifft die verhaltene Konjunktur die Berliner Unternehmen. Im ersten Halbjahr setzten sie 0,9 Prozent weniger um als im Vorjahreszeitraum.

Während die Firmen etwas mehr Waren ins Ausland verkaufen konnten, gab es im Inland einen deutlichen Rückgang. Die Zahl der Industriebeschäftigten sank um 0,9 Prozent und lag im Juni bei 105.000 Personen. Das ist allerdings immer noch mehr als 2011. Die Berliner Unternehmen konnten auch deutlich weniger Aufträge hereinholen, damit unterscheidet sich die Entwicklung der Industrie in der Stadt vom Bundestrend, wo Auftragseingang und Zahl der Beschäftigten leicht angestiegen sind.

„Hellt sich das Klima in der Euro-Zone in den nächsten Monaten weiter auf und steigt die Investitionsbereitschaft, wird sich dies auch positiv auf die Industrie auswirken“, sagte Yzer. Insgesamt sei zu erwarten, dass Berlins Wirtschaft 2013 auf Wachstumskurs bleibt. Zuletzt hatte Yzer für Berlin ein Plus beim Wirtschaftswachstum 2013 von 1,4 Prozent prognostiziert, bundesweit erwarten die Forschungsinstitute etwa die Hälfte.

Die Baubranche kämpfte im ersten Halbjahr 2013 in Berlin mit Umsatzrückgängen, obwohl der Wohnungsbau deutlich zugelegt hat. Die Betriebe konnten im zweiten Quartal wieder mehr Aufträge verbuchen. Auch hier war der Wohnungsbau mit einem Plus von 53,5 Prozent der Treiber.

Ein echter Motor der Berliner Wirtschaft ist der Einzelhandel, der im ersten Halbjahr um 6,9 Prozent mehr umsetzte als 2012. Ladengeschäfte jenseits von Nahrungsmitteln verzeichneten preisbereinigt ein Plus von immerhin 2,9 Prozent. Einen Boom erlebt der Handel ohne Verkaufsräume, also der Online-Handel. Um 47,3 Prozent legten Zalando & Co. zu.

„Die Touristenscharen stabilisieren unsere Betriebe, aber auch die Berliner konsumieren stabil“, sagte Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Die traditionellen Kaufleute beobachteten aber das Wachstum der Online-Händler, die den Vorteil hätten, sieben Tage die Woche geöffnet zu sein. In Berlin würden inzwischen zehn Prozent der Einzelhandelsumsätze online erzielt.

Überhaupt profitiert Berlin von den Existenzgründern. Die Zahl der Gründungen bewegt sich auf einem anhaltend hohen Niveau. Dies habe die Entwicklung in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres gezeigt, als es in der Hauptstadt zu insgesamt fast 21.000 Gewerbeneuerrichtungen kam.

Widersprüchlich ist das Bild beim Tourismus. Der sei „ein wichtiger Impulsgeber“, sagte die Wirtschaftssenatorin. Die Besucherzahlen stiegen um fünf Prozent, die der Übernachtungen sogar um 9,2 Prozent, was einer Million Übernachtungen entspricht. Dennoch nahmen die Beherbergungsbetriebe weniger Geld ein. Der Umsatz der Hotellerie sank um 1,3 Prozent. In der IHK wird dies auf den Preiskampf zurückgeführt. „Der Markt ist sehr hart“, hieß es. Außerdem hätten im ersten Halbjahr keine großen Kongresse oder Messen stattgefunden, die die Übernachtungspreise hochtreiben.