Karaseks Woche

Rock ’n’ Roll mit Merkel

Das TV-Duell als Symbol deutscher Stabilität

Zum zweiten Mal sitzen sich am Sonntagabend die Kanzlerin und einer ihrer ehemaligen Minister im ohnehin ritualisierten Duell der Kanzlerkandidaten gegenüber. Man mag das als Zeichen von Kontinuität und Stabilität sehen oder als Signal für Leerlauf und Stagnation. Fällt uns Deutschen denn nix Neues mehr ein? Neu ist nur, dass in der bewährten Runde diesmal Stefan Raab als zähnefletschender Hau-den-Lukas mitspielt. Na dann.

Dieses Mal ist es noch pikanter als bei dem Aufeinandertreffen von Merkel und Steinmeier, die als harmonisierendes Kanzler- und Außenministergespann künstlich einen Streit vom Zaun brechen mussten. Denn Merkel und Steinbrück stehen für einen der wichtigsten öffentlichen Momente in ihrer gemeinsamen Regierungszeit. Mitten im Sturm der Finanz- und Bankenkrise gelang es ihnen, den Deutschen Vertrauen in den Euro einzureden. Sie trat als Hausmutter aus der Uckermark und er als solider deutscher Sparkassendirektor auf. Mehr Solidität war damals auf der Welt nicht zu haben. Es kommt noch verrückter. Die Wähler ziehen wahrscheinlich aus diesem seligen Augenblick der zweisamen Beruhigung den sich in Meinungsumfragen fast zur Zweidrittelmehrheit niederschlagenden Wunsch nach einer großen Koalition. Und nun müssen die beiden aufeinander losknüppeln, was die Kräfte hergeben. Wie gehen sie damit um? Merkel, ganz über den Dingen schwebende Präsidialkanzlerin, sagt, sie hätten prima zusammengearbeitet und sein Rüpeln sei eben Wahlkampf. Und er? Indem er in der Pose der gekränkten Leberwurst sagt, die SPD hätte alle guten Werke der großen Koalition geleistet, die sich die Chefin als Federn auf den Hut stecke. Das mag sogar stimmen, klingt aber wie das typische Stellvertretersyndrom: Ich arbeite, der Chef aber glänzt. Leicht wird es nicht. Aber Steinbrück hat Jackett und Weste abgelegt und bittet zum „Rock ’n’ Roll“.