Frühkritik

Deutsches Theater: Ein Blick auf den Tyrannen der Zukunft

Unter der Überschrift „Demokratie und Krieg“ eröffnete am Freitagabend das Deutsche Theater seine neue Spielzeit.

Ein leider aktuelles Motto. Während die Welt in Richtung Naher Osten schaut, wagt Regisseur Stephan Kimmig in einer Doppelinszenierung einen Blick auf den Tyrannen der Zukunft. Hieron ist ein ebenso hartherziger wie müder Herrscher. In einem fiktiven Land hat er eine perfide Diktatur der Arbeit errichtet, wer keinen Job hat, wird hingerichtet, Berührungen sind verboten, Erinnerungen ausgelöscht. Nicht alle wollen sich damit abfinden. Aus Mario Salazars Text „Hieron. Vollkommene Welt“ macht Kimmig eine kühle, plakative Polit-Science-Fiction, die zwar bildintensiv inszeniert ist, doch bis zur Pause nur mäßig anregend bleibt. Im zweiten Teil muss sich zeigen, ob es mit Hilfe von Friedrich Schillers Dramenfragment „Demetrius“ noch gelingen kann, aus der eigentlich spannenden historisch-futuristischen Doppelperspektive heraus ein neues Licht auf die Gegenwart zu werfen.