Diskriminierung

„Es gibt in Berlin No-go-Areas für Juden“

Antisemitismus hat nach Ansicht von Rabbi Daniel Alter zugenommen

Der Berliner Rabbi Daniel Alter sorgt sich um die Sicherheit der Juden in Berlin: „Es gibt in der Bundeshauptstadt No-go-Areas für öffentlich bekennende Juden.“ In Bezirken wie Neukölln oder Wedding gebe es Viertel, in denen überwiegend türkisch- und arabischstämmige Menschen leben. Dort wäre es unklug, sich als Jude zu erkennen zu geben, sagte Alter. In anderen Vierteln wie Hellersdorf herrsche ein rechtsradikal motivierter Rassismus. Auch dort sollten sich Juden besser nicht mit der Kippa zeigen. „Antisemitismus zieht sich wirklich durch die gesamte deutsche Gesellschaft“, betonte der Rabbiner.

Daniel Alter geht indes davon aus, dass die Zahlen nicht die Realität wiedergeben. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass viele Vorfälle nicht zur Anzeige gebracht werden“, sagte er. Alter ist seit November vergangenen Jahres Antisemitismusbeauftragter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Vor einem Jahr war er vor den Augen seiner siebenjährigen Tochter rassistisch beschimpft und blutig geschlagen worden. Seine Tochter wurde mit dem Tode bedroht. Die Tat geschah unmittelbar vor seiner Haustür in Friedenau.

Widerspruch kam von Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD). In Neukölln gebe es keine No-go-Areas. Auch Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) entgegnete, aus polizeilicher Sicht gebe es in Berlin keine No-go-Areas. „Aber in dieser Frage spielt das persönliche Sicherheitsempfinden eine erhebliche Rolle“, räumte Henkel ein. „Wenn Juden sagen, dass sie in bestimmten Gegenden große Angst haben, dann lässt sich das nicht durch Statistiken wegwischen.“ Die Berliner Polizei zählte im ersten Halbjahr 2013 deutlich weniger antisemitisch motivierte Straftaten als im Vorjahreszeitraum.