Religion

In Gottes Namen

Malaysia will Christen verbieten, das Wort Allah zu benutzen

Es gibt eine Geschichte von Arthur C. Clarke namens „Die neun Milliarden Namen Gottes“. Darin bittet ein Lama aus einem tibetischen Kloster Computerexperten um Hilfe bei der Suche nach dem wahren Namen Gottes. „Alle die vielen Namen des höchsten Wesens, wie Jehova, Gott, Allah und so weiter, sind nur von Menschen erfundene Bezeichnungen“, erklärt er den Amerikanern. Er und seine Mitmönche glaubten jedoch, dass Gottes Name mit Buchstabenkombinationen zu ermitteln sei. Doch Menschen bräuchten 15.000 Jahre, um alle Möglichkeiten auszuprobieren. Ein Computer soll diesen Prozess abkürzen.

So ein Gottesnamenermittlungsalgorithmus wäre in Malaysia gerade hilfreich. Dort streiten sich Christen und Muslime um den korrekten Namen Gottes – mit gewalttätigen Konsequenzen. Das Innenministerium des überwiegend muslimisch geprägten Staates in Südostasien will der katholischen Wochenzeitschrift „The Herald“ stellvertretend für alle Christen verbieten, Gott mit dem aus dem Arabischen importierten Wort „Allah“ zu benennen. Dies sei nur Muslimen gestattet. Einen ersten Rechtsstreit hatte die Zeitung 2009 gewonnen. Nun hat aber ein Gericht in Kuala Lumpur eine Berufung zugelassen. Bis zum Abschluss des Prozesses bleibt das von der Regierung erlassene Verbot in Kraft. Das erste Urteil hatte Brandanschläge und Vergeltungsmaßnahmen gegen Kirchen, Sikh-Tempel und Moscheen provoziert.

Die Kirche verweist darauf, dass Ministerpräsident Najib Razak 2011 den Import von Bibeln in der Landessprache Bahasa Malaysia gestattet habe, in denen Gott mit „Allah“ übersetzt wird. Die Anwältin des Ministeriums argumentierte, er habe damit keineswegs die Benutzung des Wortes Allah durch Christen gestattet. Das Problem hat möglicherweise eine Tragweite, von der beide Prozessparteien nichts ahnen: In Clarkes Geschichte geht die Welt unter, als endlich der korrekte Name Gottes ermittelt ist.