Verbraucher

Strompreis um 20 Prozent gestiegen

Wohnen in Berlin ist seit 2011 deutlich teurer geworden. Verband: „Energie wird zum Luxusgut“

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) schlägt Alarm. „Energie wird zum Luxusgut“, sagte die BBU-Vorsitzende Maren Kern am Donnerstag. Der Strom ist in der Region in den vergangenen zwei Jahren um ein Fünftel teurer geworden, ergab eine Analyse des Verbandes.

Die Ursache sei die Energiewende, erklärte Maren Kern. „Die muss dringend auf den Prüfstand“, forderte sie bei der Vorstellung der sogenannten BBU-Preisdatenbank 2013. Allein im Vergleich zum Vorjahr seien die Strompreise in Berlin um 13 Prozent, in Brandenburg durchschnittlich sogar um 14 Prozent gestiegen. Bei einem Verbrauch von 2500 Kilowattstunden im Jahr müssten Berliner pro Haushalt in diesem Jahr rund 52 Euro mehr zahlen als 2012, Brandenburger rund 55 Euro. Leidtragende der Preisspirale seien vor allem Haushalte mit geringem Einkommen. Sie liefen Gefahr, durch die Preisentwicklung überfordert zu werden, befürchtete Kern. „Der Strompreis hat sich völlig von der Einkommensentwicklung abgekoppelt.“ Weitgehend unverändert geblieben sind dagegen die Preise für Wasser, Müll und Erdgas. Fernwärme wurde in Berlin um 2,5 Prozent teurer, in Brandenburg im Schnitt um vier Prozent – „und damit auch oberhalb der Inflationsrate von 2,2Prozent“, stellt der BBU fest.

Kritik übte der Verband auch an der Höhe der in Berlin erhobenen Grundsteuer. Basis dafür ist der Grundsteuerhebesatz B. Mit 810 Prozent sei dieser in Berlin am höchsten im Vergleich zu allen anderen 79 Städten der BBU-Preisdatenbank. Zum Vergleich: In Frankfurt am Main liegt der Hebesatz bei 500 Prozent. In Potsdam sind es 493 Prozent.

Problematisch aus Sicht des BBU: Die 360 Mitgliedsunternehmen des Verbandes hätten kaum mehr eigene Möglichkeiten, die finanzielle Belastung für die Mieter zu senken. Die Potenziale für energetische Modernisierung, durch die sich die Energiekosten reduzieren ließen, seien weitgehend ausgeschöpft. Die unter dem Dach des BBU vereinten Wohnungsunternehmen, die 1,1 Millionen Wohnungen in der Region bewirtschaften, hätten einen Modernisierungsstand von 90 Prozent erreicht.

Maren Kern verwies auf die enorme Modernisierungswelle der Wohnhäuser in den ostdeutschen Ländern seit Anfang der 90er-Jahre. 44 Milliarden Euro hätten die Verbandsmitglieder seither investiert. „Zwischen 1995 und 2012 sind daher die Betriebskosten in Brandenburg nur moderat gestiegen – gerade einmal um acht Prozent, in Süddeutschland dagegen um bis zu 50 Prozent“, sagte Kern.

Kaum noch Einsparungen möglich

Doch der durch die Modernisierung erzielte Effekt, die Nebenkosten für die Mieter niedrig zu halten, sei nicht mehr fortsetzbar. „Das macht uns Sorgen.“ Denn stiegen die Nebenkosten, gehe das zulasten des individuellen Wohnkomforts – „mit möglichen negativen Auswirkungen auf die Wohnsubstanz“, prophezeite Kern. Der Vorschlag des BBU: Beim Energieverbrauch von Privathaushalten müsste der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent angewandt werden. Rund 80 Euro könnten pro Haushalt eingespart werden. „Eine erhebliche Entlastung für den Geldbeutel der Mieter“, zeigte sich Kern überzeugt.

Außerdem solle den Wohnungsunternehmen endlich die Erzeugung von erneuerbarer Energie ohne steuerliche Nachteile ermöglicht werden. „Wir treten seit Jahren dafür ein. Doch die Politik reagiert nicht.“ Das Dilemma betreffe die Mehrheit der Wohnungsunternehmen in Berlin und Brandenburg. Wenn Unternehmen derzeit Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energie wie Solarpaneele installieren und die Einspeisevergütung in Anspruch nehmen, erlischt ihre gesamte steuerliche Begünstigung. Das bedeutet: Die Investitionen lohnen sich nicht. Werde ein Unternehmen steuerlich bevorzugt behandelt, müsse es auf jegliche zusätzliche Einnahme verzichten, erklärte Siegfried Rehberg vom BBU. Nun müsse die Politik handeln, forderte der Verband.