Verkehr

Erstmals 1,3 Milliarden Fahrgäste: Busse und Bahnen auf Rekordkurs

Nahverkehr in Berlin und Brandenburg wächst weiter. Aber jeder achte Regionalzug ist verspätet

Immer mehr Menschen in der Hauptstadtregion nutzen Busse und Bahnen. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) rechnet in diesem Jahr mit einem neuen Fahrgastrekord. Nach einer am Freitag veröffentlichten Prognose könnten die Verkehrsunternehmen in der Region 2013 erstmals 1,3Milliarden Fahrgäste befördern.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Verkehrsverbund einen neuen Höchstwert erreicht. Nach vorläufigen Berechnungen nutzten 1,293 Milliarden Reisende den öffentlichen Nahverkehr. Im Tagesdurchschnitt waren das 3,54 Millionen Fahrgäste, ein Prozent mehr als 2011. Noch stärker stiegen die Einnahmen aus dem Ticketverkauf. Obwohl die Preiserhöhung im August 2012 lediglich durchschnittlich 2,8 Prozent betrug, wuchsen die Einnahmen um etwa vier Prozent auf 1,133 Milliarden Euro.

Verantwortlich für die Entwicklung sind laut VBB-Chef Hans-Werner Franz vor allem die wachsenden Pendlerzahlen zwischen Berlin und Brandenburg sowie der Tourismusboom in der Hauptstadt. Nach VBB-Berechnungen stieg die Zahl der täglichen Berufspendler von Brandenburg nach Berlin um 1,8 Prozent auf etwa 186.000. Noch stärker war mit 3,8 Prozent der Zuwachs in Gegenrichtung. Mehr als 76.000 Berliner fuhren demnach regelmäßig mit Bussen und Bahnen zur Arbeit nach Brandenburg. Während Berlin und das unmittelbare Umland wachsen, erleben die ländlichen Regionen wie Prignitz, Lausitz oder Uckermark das Gegenteil. Weil die Bevölkerung insgesamt, vor allem aber die Zahl der Schulkinder geringer wird, sinken dort auch die Fahrgastzahlen.

In der Hauptstadtregion sorgt die große Nachfrage hingegen schon jetzt für Engpässe. Pendlerzüge sind im Berufsverkehr regelmäßig überfüllt. Der Deutsche Bahnkundenverband forderte angesichts der VBB-Prognosen „Neubestellungen von Verkehrsleistungen dort vorzunehmen, wo sie notwendig sind“. Auch für VBB-Chef Franz ist klar, dass die Entwicklung von Bevölkerungs- und Fahrgastzahlen künftig eine Ausweitung der Nahverkehrskapazitäten nötig machen wird. „Ich bin überzeugt, dass es neue Bestellungen geben wird“, sagte Franz. Er sieht die Politik in der Pflicht, die finanziellen Möglichkeiten dafür zu schaffen. Die Länder müssten sich nach der Bundestagswahl im September beim Bund für mehr Geld einsetzen. Aktuell bezahlen die Fahrgäste mit ihren Ticketkäufen etwa 47 Prozent des Nahverkehrs in Berlin und Brandenburg, der Rest stammt aus Steuermitteln.

Kritik äußerte VBB-Chef Franz an der Pünktlichkeit im Regionalverkehr. Laut der VBB-Qualitätsbilanz für 2012 fuhr etwa jeder achte Regionalzug verspätet. Die Pünktlichkeitsquote sank von 89 Prozent im Jahr 2011 auf 88 Prozent. Für das laufende Jahr erwartet der VBB keine Verbesserung. „Der Regionalverkehr ist zuverlässig zu spät“, sagte Franz. Neben den Folgen des Elbe-Hochwassers machte er vor allem Mängel an der Infrastruktur – etwa häufige Stellwerksausfälle – und eine schlechte Baustellenplanung für die Verspätungen verantwortlich. Die Deutsche Bahn wies die Kritik an ihrer Infrastrukturtochter DB Netz zurück. Ein Sprecher verwies auf die guten Zuverlässigkeitswerte des Regionalverkehrs (aktuell 99 Prozent) und die hohe Zufriedenheit der Kunden. „Sicher tragen Baustellen und das Hochwasser zu den Pünktlichkeitswerten bei“, sagte der Sprecher. Die genauen Ursachen für die häufigen Verspätungen werde man nun genau analysieren.