Programm

Zentrale Kita-Warteliste für Eltern

Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres will die Suche nach einem Platz erleichtern

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will den Eltern bei der Suche nach einem Kita-Platz in Berlin helfen. So soll ein neues, EDV-gestütztes Programm in den Kitas eingeführt werden, in dem alle Anträge auf einen Kita-Platz erfasst werden. „Eltern, die einen Kita-Platz bekommen haben, werden anschließend aus allen anderen Listen gelöscht“, sagte die Senatorin der Berliner Morgenpost. Wenn es nur noch eine zentrale Warteliste für alle Berliner Kitas gibt, werden Auswüchse mit bis zu 300 Anmeldungen in einer Kita vermieden.

Außerdem kann so verhindert werden, dass Kitas Eltern abweisen müssen, weil auf ihren Wartelisten Familien stehen, die längst versorgt sind. Das neue Programm soll den Eltern auch einen Überblick über sämtliche Kitas der Hauptstadt geben und es ihnen ermöglichen, einen Kita-Antrag herunterzuladen und selbst einen Platz zu beantragen. Anfang 2014 wird das Programm zur Anwendung kommen. Fast alle Kita-Träger hätten bereits signalisiert, dass sie es nutzen werden, sagte Scheeres. Seit dem 1. August gibt es in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr. Dieser gilt auch, wenn die Eltern nicht berufstätig sind. In Berlin stehen zwar ausreichend Kita-Plätze zur Verfügung, in kinderreichen Bezirken wie Pankow oder Friedrichshain-Kreuzberg haben es Eltern dennoch schwer, einen Platz zu finden. Sie müssen sich in lange Wartelisten eintragen. Viele Kitas verlangen zudem, dass die Eltern sich regelmäßig telefonisch melden oder einmal im Monat vorsprechen. Einige Einrichtungen haben sogar sogenannte Fördergelder erhoben.

„Das ist verboten“, sagte Scheeres. Kautionen oder Vormerkgebühren seien nicht rechtens. Die Senatorin forderte die Eltern auf, dem zuständigen Jugendamt zu melden, wenn Kitas solche Gebühren verlangen. Das Amt würde sofort handeln und ein derartiges Vorgehen unterbinden. Solche Fälle seien bereits vorgekommen, räumte die Senatorin ein.

Unterdessen gibt es in der Koalition Streit darüber, wie die Kinder am besten auf die Schule vorbereitet werden. Der Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh hatte eine Kita-Pflicht für alle Berliner Kinder gefordert. Er beruft sich auf die Ergebnisse der Einschulungsuntersuchungen. Diese zeigen, dass Kinder, die länger als zwei Jahre eine Kita besuchen, besser Deutsch sprechen. CDU-Generalsekretär Kai Wegner forderte hingegen, die 2005 vom damaligen rot-roten Senat abgeschaffte Vorschule wieder einzuführen. Diese sollte verpflichtend für alle Kinder sein, so Wegner.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres will, dass möglichst viele Kinder eine Kita besuchen, vor allem die Kinder aus sozial benachteiligten Familien. In der Kita gebe es von Anfang an ein Bildungsprogramm mit Sprachförderung, so die SPD-Politikerin. Eine Kita-Pflicht lehnt die Senatorin ab. Der Elternwille würde zu stark eingeschränkt werden, sagte sie.

Aber auch den Vorstoß der CDU weist Scheeres zurück: „Es ist ein Mythos, dass es in Berlin eine Vorschulpflicht gab.“ Nur 26 Prozent der Kinder hätten die Vorklassen besucht. Heute dagegen würden 95 Prozent aller Kinder im Jahr vor der Schule eine Kita besuchen. Für Kinder, die zu Hause betreut werden würden, gebe es zudem einen verpflichtenden Sprachtest. Wer Defizite habe, müsse im Jahr vor der Einschulung täglich drei Stunden zur Sprachförderung in eine Kita gehen. Scheeres will diese Verpflichtung auf fünf Stunden täglich verlängern. Für förderbedürftige Kinder sei das praktisch eine Kita-Pflicht, sagte sie.

Das Land Berlin wird in den nächsten Jahren weiter in den Ausbau von Kita-Plätzen investieren. Im Haushalt 2014/15 stünden dafür 18 Millionen Euro bereit. „Ich will kurze Wege schaffen“, sagte sie. Ziel sei es, dass jede Familie einen Kita-Platz um die Ecke bekommen könne. Geplant ist, dass von 2012 bis 2016 rund 11.000 zusätzliche Kita-Plätze entstehen. Etwa die Hälfte davon kann bis Ende dieses Jahres realisiert werden.