Unternehmen

Deutschlands Software-Riese SAP soll stärker auf Berlin setzen

Aufsichtsratschef Hasso Plattner will das kreative Potenzial nutzen – und liegt damit im Trend

Die Hauptstadt mit ihrem Boom an Unternehmensgründungen in der IT-Branche entwickelt sich zunehmend zu einem Magneten auch für etablierte Firmen, die von der Kreativität der Berliner Szene profitieren wollen. Der Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzende des Softwarekonzerns SAP, Hasso Plattner, sagte, sein Unternehmen solle sich mehr in Berlin engagieren. „SAP müsste in Deutschland noch viel mehr die Berliner Karte spielen“, sagte Plattner im Interview der Berliner Morgenpost. „Sie erreichen hier einfach andere Leute. Die jungen Leute wollen halt lieber ihre nächsten Jahre in der Großstadt verbringen.“

In Walldorf, dem Sitz der SAP in der Nähe von Heidelberg, sei man schon „etwas ab vom Schuss“, deswegen gebe es dort weniger kreative Impulse. „Software-Ingenieure, die in Palo Alto oder Berlin Kollegen aus anderen Unternehmen im Café oder an der Bar treffen, müssen sich rechtfertigen, wenn etwa eine neue SAP-Nutzeroberfläche langweilig daherkommt“, sagte Plattner. „In Walldorf passiert ihnen das nicht, weil sie dort im Restaurant oder Café keine kritischen Köpfe aus anderen Firmen treffen.“ Ein Wechsel des Konzernsitzes von Walldorf nach Berlin sei aber kein Thema: „Darüber gibt es keine Diskussion.“ SAP müsse aber „die Impulse für Innovation anderer Standorte nutzen“.

SAP wendet sich immer mehr vom klassischen Modell ab, wonach Entwicklungen allein in großen Zentren stattfinden. So baut das Unternehmen derzeit sogenannte App-Häuser auf, in denen vor allem junge Entwickler in einer kreativen Umgebung ihrer Arbeit nachgehen. Bisher ist SAP mit einer Niederlassung in Mitte in der Hauptstadt präsent.

Was der Aufsichtsrat von SAP ankündigt, haben Berliner Wirtschafts- und Technologieförderer auch von anderen Unternehmen gehört. „Ich beobachte, dass auch größere Mittelständler aus Deutschland langsam entdecken, dass man in Berlin kreative Zentren aufbauen kann“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Technologiestiftung Berlin, Nicolas Zimmer. Darüber gebe es auch schon konkrete Gespräche. Auch mit SAP werde er gern sprechen. „Ich verbinde mit der Aussage von Herrn Plattner die Hoffnung, dass sie auch Wirklichkeit wird“, sagte der frühere Wirtschafts-Staatssekretär. Es sei für Berlin wichtig, neben den jungen Start-ups auch die großen Konzerne in Berlin zu haben, um den „Fluss von Talenten“ zu ermöglichen. „Uns fehlen in Berlin große Player wie SAP“, sagte Zimmer.

Senatssprecher Bernhard Schodrowski begrüßte die Ankündigung des SAP-Gründers. „Jeder ist herzlich willkommen, das gilt für den Gründer mit einer guten Geschäftsidee ebenso wie für einen global agierenden Konzern“, sagte Schodrowski. In Berlin könnten sich Leute ausprobieren, es gebe ein gutes Netzwerk zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, ein internationales Publikum, eine gute Lebensqualität. „Diese Fakten machen Berlin auch zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort“, so der Senatssprecher. Die Stadt sei ein „Hotspot“. Er verwies auf ein Wort von Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU): „Jeder Unternehmer muss sich fragen, warum bin ich noch nicht in Berlin.“

Für Hasso Plattner stellt sich diese Frage jedoch nicht. Der SAP-Gründer ist der Hauptstadt eng verbunden. Plattner wurde 1944 in Berlin geboren und wuchs in Grunewald auf. 1972 gründete er gemeinsam mit vier Kollegen von IBM Deutschland die Firma SAP und formte das Unternehmen zum größten Softwarekonzern in Deutschland. 1998 gründete er das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik an der Universität Potsdam.

Für die Gründerszene Berlins fand der Milliardär lobende Worte, ordnet die Entwicklung aber auch realistisch ein: „Es ist gut, dass wir interessante Start-ups in Berlin haben. Ich möchte das keinesfalls schlechtreden“, sagte Plattner. Aber wenn es um Kennzahlen wie Umsatz, Kapitalausstattung, Anzahl der Mitarbeiter gehe, seien die Unternehmen aus dem kalifornischen Hightech-Mekka Silicon Valley im Vergleich zu den deutschen Start-ups eine ganz andere Dimension: „Das ist ein Verhältnis von 100 zu eins oder 200 zu eins“, so Plattner. Vielleicht hätten die Deutschen aber auch völlig andere Ansprüche als die Amerikaner und seien genügsam.