Projektgesellschaft

Verlängerung der U-Bahn-Linie 5: BVG rechnet mit höheren Kosten

Risiken beim Bau und der Finanzierung. Budget von 433 Millionen Euro reicht wohl nicht aus

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) rechnen damit, dass es beim gerade begonnenen Weiterbau der U-Bahn-Linie 5 größere Probleme geben könnte. Angesichts stark steigender Baupreise gilt es auch als fraglich, ob sich das Budget von derzeit 433 Millionen Euro halten lässt. Um die Risiken beherrschen zu können, will die BVG deshalb kurzfristig eine spezielle Projektgesellschaft gründen. Entsprechende Pläne bestätigte jetzt die BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta.

Mit dem Unternehmen, das über etwa 40 bis 50 hoch qualifizierte Mitarbeiter und ein eigenes Finanzbudget verfügen soll, will die BVG besser für die Herausforderungen gewappnet sein, die sich aus dem anspruchsvollen Großprojekt in Berlins historischer Mitte ergeben. Dazu gehört neben der bautechnischen Projektsteuerung ausdrücklich auch ein Finanzmanagement und die Risikovorsorge. Welche Zusatzkosten damit verbunden sind, ist derzeit noch offen. „Bis jetzt läuft das Projekt sehr gut. Aber es ist relativ wahrscheinlich, dass auch Unvorhergesehenes passiert“, sagte BVG-Chefin Nikutta.

Zu den vorhandenen Risiken gehören etwa Bodensenkungen als Folge der Arbeiten in Berlins schwierigem Baugrund, die die historischen Gebäude auf der Museumsinsel und entlang der Straße Unter den Linden gefährden könnten. BVG-intern wird auch damit gerechnet, dass es beim noch auszuschreibenden Ausbau der drei neuen U-Bahnhöfe erhebliche Kostensteigerungen geben wird. Nach Auswertung von Erfahrungen gleichfalls von der öffentlichen Hand gemanagter U-Bahn-Bauten etwa in Düsseldorf oder in Amsterdam, wohl aber auch als Reaktion auf das Desaster beim Großflughafen BER in Schönefeld will die BVG auf alle Probleme möglichst gut vorbereitet sein.

Unterstützung für ihr Konzept erhält Nikutta von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD), der auch BVG-Aufsichtsratsvorsitzender ist. „Die BVG hat in erster Linie dafür zu sorgen, dass die täglich 2,6 Millionen Kunden gut und sicher durch die Stadt transportiert werden. Der Bau einer U-Bahn ist eigentlich nicht ihr Kerngeschäft“, sagte Nußbaum. Die BVG hat das Bauvorhaben von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung übertragen bekommen. In der Vergangenheit hatte der Bausenator alle wichtigen Infrastrukturprojekte der Stadt – zu denen auch der U-Bahn-Bau gehört – in eigener Regie realisiert. Doch nach dem starken Personalabbau der letzten Jahre fehlen der Behörde inzwischen die Fachleute dafür.

Unabhängig von der Entscheidung über die Projektgesellschaft will die BVG in den kommenden Wochen ihre Öffentlichkeitsarbeit zum U-Bahn-Projekt deutlich ausweiten. Noch im August soll in einem an der Spandauer Straße aufgestellten alten U-Bahn-Wagen ein spezielles Informationszentrum für die Berliner und Touristen eröffnet werden. Überlegt wird auch, nach Amsterdamer Vorbild mit einem roten Pfeil auf der Straßenoberfläche zu markieren, wie weit sich die Tunnelbohrmaschine bereits vorgearbeitet hat. Der 75 Tonnen schwere Koloss hatte Ende Juni auf dem Platz nahe dem Roten Rathaus im Bezirk Mitte seine Arbeit aufgenommen. In den nächsten Wochen stehen die Unterquerung der Spree und des Schloßplatzes an. Als besonders anspruchsvoll gilt unter den BVG-Experten die Untertunnelung der Museumsinsel, von der die auf meterlangen Holzpfählen gegründete Schloßbrücke unmittelbar betroffen ist.