Sicherheit

Zahl der Einbrüche in Berlin sinkt

Polizei setzt mehr Fahnder ein. Kooperation mit der Staatsanwaltschaft ist verbessert worden

In den vergangenen zwei Jahren musste die Berliner Polizei immer wieder steigende Zahlen bei Einbrüchen in Wohnungen und Einfamilienhäuser bekannt geben – doch im laufenden Jahr scheint dieser Trend erstmals gestoppt. Im ersten Halbjahr 2013 habe es weniger Wohnungseinbrüche in der Hauptstadt gegeben, sagte Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt der Berliner Morgenpost. Die Zahl der Einbrüche in Einfamilienhäuser stagniere, wenn auch auf hohem Niveau, sagte Kandt. Hier waren die Fälle in den Vorjahren jeweils um mehr als 30 Prozent gestiegen.

Konkrete Zahlen will die Berliner Polizei noch nicht bekannt geben. Auch Auskünfte zur Aufklärungsquote der Straftaten gibt es noch keine, weil an vielen Fällen noch gearbeitet wird. Den positiven Trend im ersten Halbjahr führt Kandt auf das neue Polizeikonzept im Kampf gegen die Einbrecher zurück. „Der Verfolgungsdruck ist gestiegen“, sagte der Polizeipräsident. Die Täter würden zunehmend verdrängt. „Unser Konzept geht bisher also auf.“

Zu dem neuen Arbeitsschwerpunkt der Polizei gegen die hohe Zahl der Einbrüche gehören auch mehr Fahnder. Es gebe jetzt operative Kräfte, die direkt für die Einbruchskommissariate der Direktionen arbeiten, erklärte Kandt. So soll gezielter und schneller reagiert werden können, wenn Hinweise auf einen Einbruch eingehen. „Das ist neu, die operativen Einsätze konnten die Einbruchskommissariate bisher nicht eigenständig machen“, sagte Kandt. Die Polizisten müssten nun nicht mehr bei jedem Einsatz um Personal kämpfen. „So haben wir unsere Schlagkraft erhöht.“

Bei der Vorstellung der letzten Kriminalstatistik im April hatte Kandt angekündigt, mehr gegen Einbrecher unternehmen zu wollen. 2012 gab es insgesamt rund 12.300 Fälle von Einbrüchen in Privathäuser und -wohnungen. Im Mai habe er das neue Konzept auf alle Direktionen ausgedehnt, was zuvor im Bezirk Mitte getestet worden war, sagte Kandt nun. Zu der neuen Arbeitsweise gehöre auch, dass bei der Polizei das aktuelle Lagegeschehen nun zentral ausgewertet werde statt jeweils in den Direktionen. „Wir versuchen, Brennpunkte zu identifizieren und auch vorauszuahnen, wo eine Einbruchsserie weitergehen könnte. Das muss man schnell erkennen und schnell reagieren.“

Auch die Kooperation mit der Staatsanwaltschaft ist verbessert worden. Dadurch sollen schneller Haftbefehle für gefasste Täter erwirkt werden. „Es ist besonders bei reisenden Tätern wichtig, dass die rechtlichen Möglichkeiten für eine Untersuchungshaft ausgeschöpft werden, sonst sind sie für uns nicht mehr greifbar“, erklärte Kandt.

Lob für aufmerksame Nachbarn

Die reisenden, gut organisierten Straftäter haben keinen Wohnsitz in Berlin und ziehen nach der Tat sofort weiter. Sie stammen in vielen Fällen etwa aus Bulgarien und Rumänien. Das macht die Aufklärungsarbeit für die Polizei besonders schwierig. Lange Zeit wurde das Phänomen beobachtet, ohne dass konkrete Gegenmaßnahmen ergriffen wurden. Nun will die Berliner Polizei die Zusammenarbeit mit anderen Bundesländern und anderen EU-Staaten verbessern, um die Täter auch außerhalb von Berlin orten zu können. Das war auch im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses bei der Besprechung der Berliner Kriminalstatistik angemahnt worden.

Erfreut zeigte sich Polizeipräsident Kandt darüber, dass offenbar immer mehr Berliner als aufmerksame Nachbarn die Polizei verständigen, wenn sie den Verdacht auf einen Einbruch haben. Die Zahl der Telefonanrufe mit Hinweisen aus der Nachbarschaft habe in diesem Jahr um zehn Prozent zugenommen, sagte Kandt. „Dadurch konnten wir häufiger auf frischer Tat Festnahmen machen.“

Kandt warnte jedoch auch vor überzogenen Sicherheitserwartungen an die Berliner Polizei. „Wir können nicht vor jedem Haus stehen und jeden Wohnungseinbruch verhindern“, sagte er. Die Behörde sei zudem nach einem jahrelangen Abbauprozess bei allem, was sie tue, „sehr am Limit“. Das hat auch Folgen. „Wenn wir irgendwo Schwerpunkte setzen, müssen wir anderswo reduzieren“, sagte Kandt. Die vom Senat vorgegebene Sparquote in der Verwaltung sei kaum zu erbringen. Aus seiner Sicht, so der Polizeipräsident, habe die Behörde bereits „keine Luft“ mehr.