Karaseks Woche

Die Keule als Bumerang

Ausspäh-Affäre und Erinnerung an eine Schröder-Rede

Brust oder Keule?, fragte sich der Brachialkomiker und Grimasseur Louis de Funès in einer Feinschmecker-Farce. Keule oder Bumerang? muss sich die SPD fragen lassen, nachdem diese Woche in der Geheimdienstaffäre der NSA Steinbrück den Rücktritt der Kanzlerin forderte. Wegen Verletzung des Amtseides. Heribert Prantl, ein deutscher Kronenjurist, der bekanntlich gern in der Küche des Bundesverfassungsgerichts herumschnippeln würde, sprang ihm in einem Leitartikel der „Süddeutschen“ mit schwerem Säbel bei.

Doch schon am nächsten Tag musste auch die „SZ“ zurückrudern. Dumm gelaufen. Denn die dicke Freundschaft und dauernde Zusammenarbeit und Durchstecherei zwischen deutschen und US-Geheimdiensten hatte so nach „9/11“ begonnen. Damals sicherte der Kanzler, es war Gerhard Schröder, nach dem mörderischen Anschlag „unverbrüchliche Solidarität“ zu. Praktiziert wurde sie durch Kanzleramtsminister Steinmeier, denn der war zuständig für die Geheimdienstkoordination im Kanzleramt. Die Zusammenarbeit war so nah und eng, dass der damalige US-Verteidigungsminister Powell als Grund für den notwendigen Angriff eine drohende Aggressionsgefahr mit Raketen und chemischen Waffen durch Saddam Hussein vor den UN mit deutschen und britischen Geheimdiensterkenntnissen zu dokumentieren suchte. Die übrigens falsch waren.

Dass Kanzler Schröder kurz darauf auf dem Marktplatz in Goslar den Amis die Kriegsfreundschaft kündigte, war eine genial skrupellose Wahlkampf-Finte. Deutschland hätte sowieso nie in den Krieg direkt mitziehen müssen, versorgte aber den Nachschub der Amerikaner von deutschen Militärbasen und geheimdienstlicher Betreuung auf das Glänzendste.

Später war Steinmeier als Außenminister wiederum Koordinator des Geheimdienstausschusses in der großen Koalition. Vielleicht aber hat er ja in der SPD-Troika, als die noch brüchig unverbrüchlich war, seine Konkurrenten Gabriel und Steinbrück nicht informiert. Inzwischen will die SPD – ihr ist es mulmig im Magen – den Untersuchungsausschuss, den sie gegen Merkel einsetzen will, kleinlaut auf die Zeit nach der Wahl verschieben. Solange aber der Wahlkampf antiamerikanische Impulse erzeugt, möchte Steinbrück Schröder kopieren: Wie hat sein fulminanter und genial machiavellistischer Wahlkampf 2002 funktioniert? Nur führen die Amerikaner jetzt keinen Solokrieg, sondern ziehen seit Jahren eine kooperative, für beide Seiten nützliche Geheimdienstprävention gegen den islamistischen Terror durch.

Ein zweites Goslar gegen Obama statt gegen George W. Bush? Na, dann viel Spaß!

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost