Ermittlungen

Haasenburg: Brandenburg droht Heimbetreiber mit Schließung

Jugendministerin verschärft Kontrollen. Kommission untersucht jetzt auch aktuelle Fälle

Brandenburgs Regierung schaltet sich massiv in die Affäre um mögliche Misshandlungen in drei Haasenburg-Heimen ein. Jugendministerin Martina Münch (SPD) droht inzwischen damit, die Heime zu schließen. „Wenn ich zu dem Schluss komme, dass sich die Vorwürfe bewahrheiten, werde ich sofort einschreiten – notfalls müssen die Heime geschlossen werden“, sagte Münch der Berliner Morgenpost. Sie kündigte zudem an, die Kontrollen weiter zu verschärfen.

Die Haasenburg-Heime stehen im Verdacht, Jugendliche zu misshandeln. Das hatten Heimbewohner und ein ehemaliger Mitarbeiter behauptet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits in mehreren Fällen. Die Jugendämter in Berlin und Hamburg wollen keine Kinder und Jugendlichen mehr in die Einrichtung schicken.

Ministerin Münch sagte weiter, der wichtigste Auftrag der eingesetzten Experten-Kommission sei nun, „rasch und dennoch intensiv“ zu klären, „ob die Heime so wie bisher weitermachen können“. Wenn einer der Jugendlichen einen Mitarbeiter konkret beschuldige, könne beispielsweise sofort ein Beschäftigungsverbot verhängt werden. Die Kommission werde ab jetzt häufig vor Ort sein, ebenso wie das Landesjugendamt. Zudem soll die Kommission klären, ob es Versäumnisse bei der Heimaufsicht gegeben hat.

Brandenburg bemüht sich aktuell um die Aufklärung von Vorwürfen dreier Jugendlicher aus einem der umstrittenen Haasenburg-Heime. Die Jungen waren weggelaufen. Dazu sollte am Montag der 15-jährige Junge befragt werden, der seit Freitag wieder in der Einrichtung in Neuendorf in Unterspreewald (Kreis Dahme-Spreewald) ist. Er war gemeinsam mit zwei 16-Jährigen aus Hamburg und Berlin in der Nacht zum Mittwoch verschwunden.

Ermittlungen wegen Todesfällen

Zwei der Jugendlichen halten sich derzeit in Hamburg auf und wurden dort in entsprechenden Einrichtungen untergebracht. Auch sie sollen befragt werden. Nach Angaben des Anwaltes Rudolf von Bracken sind sie vor Gewalttaten und Demütigungen geflohen. So sei es zu Misshandlungen und Knochenbrüchen gekommen. Bei der Behandlung in Krankenhäusern sei dann von Unfällen die Rede gewesen, heißt es laut Medienberichten. Vergangenen Donnerstag waren die Kinder- und Jugendheime der Haasenburg GmbH in Jessern, Neuendorf in Unterspreewald (Kreis Dahme-Spreewald) und in Müncheberg (Kreis Märkisch-Oderland) durchsucht und Unterlagen sichergestellt worden. Die Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt bislang in acht Fällen. Dazu zählen zwei frühere Todesfälle in den Jahren 2005 und 2008, die nochmals aufgerollt werden.

Hamburgs Grüne und Linke haben wegen der Vorgänge in Brandenburg eine Sondersitzung des Familienausschusses gefordert. Der Ausschuss soll sich auch mit der Rolle von Christian Bernzen befassen. Der Rechtsanwalt der Einrichtung war bis Dezember 2012 auch Vorsitzender einer Kontrollkommission des Heimes gewesen, die Beschwerden von Bewohnern prüft. In dieser Funktion sei er mit dem Fall eines Jugendlichen befasst gewesen, bei dem es um einen Übergriff des Personals gegangen sei. Die Beschwerde des Jungen sei als unbegründet zurückgewiesen worden.

Der Bruder bekam den Vorsitz

Haasenburg-Sprecher Hinrich Bernzen räumt gegenüber der Berliner Morgenpost ein, dass es „nicht geschickt war, dass mein Bruder als Anwalt der Haasenburg damals gleichzeitig den Vorsitz der Beschwerdekommission übernommen hat“. Allerdings sei es dabei nicht um wesentliche Fragen gegangen, sondern um Alltagsprobleme der Jugendlichen.

Zu den Vorwürfen des früheren Heimmitarbeiters sagt der Sprecher: „Das sind die gleichen Vorwürfe, die schon vor anderthalb Jahren in der Zeitung standen. Sie sind weder neu noch richtig.“ Die Haasenburg fordere den ehemaligen Mitarbeiter auf, die angeblichen Straftaten zur Anzeige zu bringen. „Das tut er nicht. Das lässt für uns den Schluss zu, dass er dafür gute Gründe hat“, so der Sprecher.