Karaseks Woche

Das Ende des Buschkleppers

Eine Spurensuche in der neuen Ausgabe des Duden

Jedes Mal, wenn ein neuer Duden erscheint, wie soeben die 26. Auflage der „Deutschen Rechtschreibung“, schaue ich nervös nach, welchen altehrwürdigen „Beruf“ es diesmal erwischen wird. Als besonders bedroht galten bei mir der „Strauchdieb“, der „Buschklepper“, der „Zitronenfalter“ und der „Pfennigfuchser“.

Dieses Jahr hat es den „Buschklepper“ erwischt. Er hat sich aus dem Duden in die Büsche geschlagen, während sein Verwandter, der „Strauchdieb“, noch ein veraltetes Weiterleben führt. Laut Lexikon ist der „Buschklepper“ ein Jäger, meist ein Wilddieb, der ohne Hund im Buschwerk das Wild zu erlegen sucht. Dass es den „Zitronenfalter“ nicht mehr gibt, liegt daran, dass er ein saisonbedingter Beruf in Italien war, laut Goethe dem „Land, wo die Zitronen blühen“. Er lebt nur noch als „sie“ weiter, als weibliche Zitronenpresse.

Auch die „Trümmerfrau“ steht nur noch als „früher“ im neuen Duden. Dabei war sie der wichtigste Nachkriegsberuf überhaupt, der uns damals schon klarmachte, dass die Welt Männer einfach nicht braucht, wenn sie nicht da sind. Ihr setzt der Duden also kein verdientes historisches Denkmal. Stattdessen hat er merkwürdigerweise den „Pfennigfuchser“ als Beruf aufbewahrt, obwohl es doch keine Pfennige mehr gibt und unsere Politiker inzwischen, siehe Elbphilharmonie, BER-Flughafen und Drohnen-Aufrüstung, eben mal halbe Milliarden versenken - nicht Pfennige, sondern Euro.

Vor Jahren erschien im Rowohlt Verlag das „Lexikon der bedrohten Wörter“ von Bodo Mrozek, wo bereits der „Gutmensch“ auftaucht, über den inzwischen im Duden steht, dass er „oft abwertend für political correctness“ steht. So wandelt sich das Gute zum Bösen. Die „Trümmerfrau“ hat übrigens eine Nachfolgerin, die eher zertrümmert als aufbaut. Es ist die „Rabaukin“, die wirklich um sich trümmert und dem Rabauken längst die Show gestohlen hat. Als „Femen“ haben sie es zwar noch nicht in den Duden gebracht, aber sie ziehen weltweit blank und zeigen es den Männern, die als „Vollpfosten“ für besondere Trotteligkeit im Duden stehen.

Leider hat es auch ein altehrwürdiger männlicher Beruf nur noch als „veraltet“ in den Duden geschafft: der „Hahnrei“, zu dem Bodo Mrozek bemerkt: „Wenn ein Ehemann von seiner Frau betrogen wurde, zum Beispiel mit dem ,Milchmann‘, so war das schon schlimm genug. Aber wann hat man schon zuletzt noch einen Milchmann gesehen?“ Schon Nietzsche wusste: „Pfui allen hässlichen Gewerben/an denen Wort und Wörter sterben.“

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost