Digitale Wirtschaft

Alle 20 Stunden wird in Berlin ein Start-up gegründet

Internet-Branche bereits gleichauf mit Tourismus – fast neun Milliarden Euro Umsatz in 2012

Die digitale Wirtschaft ist in Berlin mittlerweile so bedeutsam wie der Tourismus und deutlich wichtiger als die Baubranche geworden. Das sagte der Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit, bei der Präsentation einer Studie der Investitionsbank Berlin (IBB). Danach liegt der Anteil der digitalen Wirtschaft an der gesamten Berliner Wirtschaftsleistung vor der Baubranche (3,7 Prozent) und fast gleichauf mit dem Tourismus (4,3 Prozent). Sie erreicht bei einer Bruttowertschöpfung von 3,9 Milliarden Euro jährlich einen Anteil von 4,2 Prozent an der gesamten Berliner Wirtschaftsleistung.

„Die digitale Wirtschaft hat sich mittlerweile zu einem wichtigen Sektor der Berliner Wirtschaft entwickelt“, sagte Wowereit zum Ergebnis der Studie. Insgesamt steuere die Branche mit 8,9 Milliarden Euro 5,3 Prozent des Gesamtumsatzes der Berliner Wirtschaft bei. „Das zeigt, dass Berlin auch im internationalen Vergleich eine Metropole der Internetwirtschaft mit großen Perspektiven geworden ist.“ Der Vorsitzende des Vorstands der IBB, Ulrich Kissing, ergänzte: „Berlin ist aber nicht nur eine digitale Stadt – es ist auch eine Gründerstadt. Alle 20 Stunden wird ein neues Internetunternehmen in Berlin gegründet. Das ist der beste Beleg für die Dynamik Berlins in diesem Sektor.“

Berlin braucht den Vergleich mit anderen Metropolregionen nicht zu scheuen. Die Stadt lag im vergangenen Jahr mit 469 gegründeten Start-ups – umgerechnet sind das 2,8 gegründete Betrieben pro 10.000 Erwerbstätige – im Vergleich der großen deutschen Städte an vorderster Stelle. In Deutschland insgesamt wurde pro 10.000 Erwerbstätige gerade einmal eine Internetfirma gegründet. Nur noch München kann mit dem Berliner Ergebnis Schritt halten und erreichte ebenfalls 2,8. Es folgen Frankfurt am Main (2,3 Internetfirmengründungen pro 10.000 Erwerbstätige), Dresden (1,9), Köln (1,7), Düsseldorf (1,6) und Hamburg (1,5). Auch bei der Zahl der Beschäftigten im Kernbereich der digitalen Wirtschaft, Software-Entwickler und Programmierer, lag Berlin mit 37.524 auf dem ersten Platz – vor München (35.940) und Hamburg (29.573). Allerdings liegt die Bayern-Metropole bei der Beschäftigungsintensität mit 4,4 vor Berlin (2,8) und etwa gleichauf mit Hamburg, Frankfurt/Main und Köln. Der Index gibt an, wie sich die Zahl der Beschäftigten mit dem Wachsen der Gesamtwirtschaft verändert. Doch Berlin holt hier schnell auf, wie die Studie zeigt: Noch im Jahr 2008 lag die Beschäftigungsintensität in der digitalen Wirtschaft bei einem Wert von 2,1. Diese These untermauert der Blick auf die Zuwächse bei den Beschäftigten in der digitalen Wirtschaft der einzelnen Regionen: Bezogen auf 2008 verzeichnet Berlin ein Plus von 48,7 Prozent, während Frankfurt/Main ein Plus von 44,1 Prozent verzeichnet, München 43,6.

In der Berliner digitalen Wirtschaft arbeiten rund 62.400 Personen – etwa drei Viertel davon als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Jeder Fünfte ist als Selbstständiger aktiv (13.266). Nur 3,4 Prozent der in der Branche Erwerbstätigen gehen einer ausschließlich geringfügigen Beschäftigung nach (2139).

Frauen sind in der Techbranche weiterhin eine Ausnahme. Es sind Männer, die häufiger Firmen gründen und in Führungspositionen arbeiten. Laut dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag wurden 2011 weniger als ein Drittel aller neuen Unternehmen von Frauen gegründet. Fest in Frauenhand sind Handelsplattformen wie Outfittery, Tollabox oder Glossybox.